Gleich vorweg: Ich bin kein besonders großer Marvel bzw. Superheldenfan und daran hat Spider-Man: Far From Home auch nicht viel ändern können. Über dieses Genre normale Kritiken zu verfassen ist mittlerweile erstaunlich anstrengend geworden. Auf der einen Seite stehen die Hardcore-Fans, die jeden Marvel-Film reflexartig verteidigen und vornherein keine Kritik zulassen. Auf der anderen Seite gibt es die Gruppe, die kollektiv alles hassen, was mit Marvel oder Superhelden zu tun hat, und dabei oft nur oberflächliche, substanzlose Kritik äußern.
Deshalb ziehe ich mein Fazit gleich an den Anfang, und dieses gilt im Grunde für alle folgenden Superheldfilme, die ich hier noch besprechen werde:
Wenn ihr Fans dieses Genres seit, dann hab einfach Spaß mit dem Film und lasst euch diesen nicht durch irgendeine Meinung verderben. Wenn ihr dieses Genre hingegen grundsätzlich nicht mögt, dann verschwendet am besten auch keine Zeit damit. Alle anderen, die sich jetzt noch für eine möglichst nüchterne, filmische Kritik interessieren, können im Folgenden gerne meine Sicht zu Spider-Man: Far From Home lesen.🙂
Im Kern ist der Film ein sehr solider MCU-Beitrag, der sich kaum gravierende Fehltritte erlaubt. Hauptsächlich leidet er für mich an vielen der typischen MCU-Krankheiten, dafür aber in keinem extremen Ausmaß. Das für mich größte und allgegenwärtige Problem bei Marvelfilmem bleibt der Marvel-Humor, der mir spätestens seit Thor: Ragnarok tierisch auf den Geist geht.
Auch Far From Home ist davon leider nicht befreit. Das ist deshalb echt schade, weil der Film eigentlich versucht einen guten emotionalen Kern aufzubauen. Was sie mit Peter Parker machen, ist nämlich durchaus gelungen und führt seinen Charakter, vor allem nach den Ereignissen aus Avengers: Endgame, konsequent weiter. Schade, dass der Film diesen Kern immer wieder mit unnötigen und teils zu langgezogenen Witzen untergräbt. Zusätzlich verliert sich der Film in zu viele einzelnen Handlungssträngen und findet dadurch auch keinen klaren Fokus.
Ansonsten lässt sich über die Handlung aber nur wenig diskutieren. Für Marvel- Verhältnisse ziemlicher Standard mit typischen Action-Setpieces und Handlungsentwicklungen. Ein klarer Pluspunkt ist für mich Jack Gyllenhaal als Mysterio, der seine Rolle mit einer spürbaren Spielfreude verkörpert. Seine Motivation ist zwar recht dämlich und weit hergeholt, aber immerhin besser als die nächste Weltherrschafts-Motivation. Tom Holland überzeugt weiterhin als Spider-Man und passt wie die Faust aufs Auge in diese Rolle und auch Zendaya weiß zu überzeugen. Die restlichen Nebenfiguren bekommen dagegen nur wenig Raum, stechen kaum heraus oder sind nur für Gags da.
Die Action ist insgesamt ordentlich und die visuelle Effektqualität ist, bis auf ein paar zu künstlich wirkende Hintergründe, überraschend stark. Mein persönliches Problem liegt weniger in der Umsetzung sondern eher darin, dass mich diese Art der Action mittlerweile kaum mehr packt. Mir fehlen echte Stacks oder zumindest spürbare Konsequenzen, die Spannung erzeugen. Da jeder MCU-Film aber immer auf einander aufbauen muss, ist ohnehin von Beginn an klar, dass den meisten Figuren nichts Ernsthaftes passieren wird. Zwar wagt der Film, gerade gegen Ende, echte Konsequenzen ein zugehen, doch innerhalb des Films geschieht das insgesamt zu wenig, damit die Action echte Begeisterung auslöst
Unterm Strich kann man sich Spider-Man: Far From Home definitiv anschauen und dabei eine spaßige Zeit haben. Den Vorgänger Spider-Man: Homecoming halte ich dennoch für den besseren Film, da er in sich runder wirkt und der Antagonist deutlich mehr Impact hat. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass sich beide Filme qualitativ nicht allzu viel schenken.
Punkte (7/10)
Kommentar hinzufügen
Kommentare