28 Years Later: The Bone Temple

Veröffentlicht am 9. Mai 2026 um 11:49

Ach ja, das Zombie-Genre. Ein Genre, über das man sich nur zu gut streiten kann: Die Kluft zwischen absolutem Schrott und grandiosen Filmen ist riesig, und es ist ein Genre das mittlerweile zu Tode geritten wurde, aber gleichzeitig auch nicht Tod zukriegen ist.

Ich persönlich habe eine große Schwäche für Zombies und das medienübergreifend. Ich liebe die Resident Evil- & Dying Light-Games, habe das Buch World War Z förmlich verschlungen und alle 11 Staffeln von The Walking Dead gesehen (wofür man mich eigentlich bemitleiden müsste!). Und bei Filmen gibt es für mich zwei klare Highlights, die über allen anderen stehen: George R. Romero's Geniestreich Dawn of the Dead und 28 Days Later.

28 Years Later: The Bone Temple ist inzwischen der vierte Teil der 28-Reihe und bildet das Mittelstück einer neuen Trilogie, die die Ereignisse aus 28 Years Later von 2025 fortsetzt. Ob dieser Film meiner Meinung nach einen weiteren guten Beitrag für diese Reihe ist, könnt ihr, nach dieser viel zu langen Einleitung, nun erfahren. 🙂

 

 

Die Geschichte setzt genau dort an, wo der Vorgänger endete, führt jedoch einen Perspektivwechsel durch. Neben Spike, der im ersten noch die zentrale Figur war, rückt nun Dr. Kelson sowie Jimmy stärker in den Vordergrund. Das tut dem Film insgesamt sehr gut, bringt aber auch ein paar Probleme mit sich. 

Der Positive Effekt dieses Wechsels ist, dass beide Figuren großartig sind und von ihren jeweiligen Darstellern hervorragend verkörpert werden. Jack O'Connell spielt den Psychopathen Jimmy glaubwürdig und bedrohlich, ohne dabei in unnötiges Overacting zu verfallen. Der wahre Star des Films ist jedoch, wie auch schon im Vorgänger, Ralph Fiennes als Dr. Kelson. Er spielt die Rolle extrem facettenreich und verleiht seiner Figur alleine durchs Mimik und Gestik enorm viel Persönlichkeit. Es war jedes Mal eine Freude in auf der Leinwand zu sehen. Gegen ende dreht er völlig frei, was in einer unglaublich genialen Szene resultiert.

Auch der Plot rund um Dr. Kelson ist ungemein interessant und spinnt das Mysterium um die Infizierten und dem Wut-Virus gekonnt weiter. Leider zeigt sich hier auch die Kehrseite des Perspektivwechsels. Die Geschichte rund um Jimmy und Spike ist kaum der Rede wert. Wirklich erzählt wird hier leider nichts, Spike rückt vollständig in den Hintergrund und stattdessen suhlt sich der Film gerade in dieser Storyline in unnötiger Gewaltdarstellung. Das führte bei mir dazu, dass meine Emotionen sehr schwankten, je nachdem, welcher Handlungsstrang gerade im Fokus war. 

Auf technischer Ebene gibt es dagegen kaum etwas zu kritisieren. Der Film ist sauber inszeniert, die Übersicht geht selbst in hektischen Sequenzen nicht verloren, die Effekte sehen wirklich gut aus und der Soundtrack bietet eine schöne Mischung. Was jedoch auffällt, und was vermutlich nur wenigste stören wird, ist die deutlich konventionellere inszeniert im Vorgänger. Danny Boyle verwendete in seinen 28 Years Later mit mehreren IPhones als Kamera und nutzte für ihn typische einen sehr experimentellen Schnitt. Ich mochte das sehr damals und ich genau diese Unkonventionalität an Danny Boyle so sehr schätze und liebe. Gleichzeitig kann ich aber auch verstehen, dass dieser Stil den Zugang zum Film erschwert. 28 Years Later: The Bone Temple verzichtet darauf vollständig, was den Zugang erleichtert. Allerdings entsteht dadurch auch eine gewisse Inkonsistenz innerhalb dieser neuen Trilogie. 

Zum Schluss möchte ich noch ein klassische Franchise-Problem ansprechen. Da es sich hier um den zweite Teil einer von Anfang an angedachten Trilogie handelt, fehlt dem Film ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Natürlich kann man argumentieren, dass Star Wars das ebenso gemacht hat. Dort ist die Struktur jedoch homogener gelöst worden mit einem sinnvollem Cut off am Ende. Hier wirkt der finale Schnitt aprut. Es bleiben zu viele Handlungsstränge offen, und ohne den nächsten Teil ergibt sich kein in sich geschlossenes Gesamtbild. Filme bewusst so zu konzipieren, dass zwingend ein Sequel notwendig ist, halte ich für den falschen Weg, selbst bei Meisterwerken wie Dune oder Across the Spiderverse. 

 

 

Lange Rede, kurzer Sinn: 28 Years Later: The Bone Temple ist ein weiterer großartiger Teil dieser Reihe, der sich besonders im Vergleich zum sonstigen Zombie-Einerlei deutlich abhebt. 

Als Fan von Zombies und der 28-Reihe kann ich diesen Film nur wärmstens empfehlen. Für mich ist er sogar ein kleines Stück besser als der Vorgänger, da er sich mit den spannenderen Themen und Figuren beschäftigt. Außerdem würde ich sogar sagen, dass es der beste Teil nach dem grandiosen 28 Days Later ist, und das ist, abgesehen von meiner persönlichen Perspektive, wahrscheinlich das Beste, was man über diesen Film sagen kann.

Punkte (8/10)


Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.