Denk wie ein Mann

Veröffentlicht am 9. Mai 2026 um 14:59

Ich habe es hier schon häufiger erwähnt: Komödien haben es bei mir grundsätzlich schwerer. Romantische Komödien (sog. RomComs) sogar deutlich schwerer. Natürlich gibt es auch in diesem Sub-Genre Ausreißer, die mir gefallen, Crazy Stupid Love wäre so ein Beispiel. Es gibt aber auch die anderen Ausreißer: Filme, die nicht nur an meiner Gleichgültigkeit vorbei schlittern, sondern aktiv versuchen mich wütend zu machen. Und Denk wie ein Mann hat das mit Bravour geschafft.

 

 

Über den Humor möchte ich mich in erster Linie gar nicht aufregen. Wer Kevin Hart's überdrehtes Herumgeschreie und -gequatsche wirklich lustig findet, kann mit dem Film sicher seinen Spaß haben. Gleiches gilt für all jene, die totgelaufene und schmerzhaft stereotype Rollenbilder amüsant finden. Wie  unschwer zu erkennen ist, gehöre ich allerdings nicht dazu. Interessanterweise ist der Humor nicht mein größtes Problem mit dem Film, das liegt vielmehr in der grundlegenden Geschichte. 

Diese Handlung ist nämlich eine einzige Vollkatastrophe. In Kurzform geht es um mehrere Frauen, die Probleme mit ihrem Liebesleben haben. Über Umwege bekommen alle einen Beziehungsratgeber von Steve Harvey in die Hände (ja wirklich und ja, den gibt es tatsächlich!). Mithilfe des Ratgebers versuchen die Frauen ihre Wünsche und Bedürfnisse in ihrer jeweiligen Beziehung zu erreichen. Bis schließlich auch die Männer, die zufällig alle miteinander befreundet sind, davon erfahren und den Ratgeber zu ihren Vorteil nutzen. 

Das Ergebnis davon ist eine Ansammlung äußerst fragwürdiger Beziehungspraktiken, veralteter Rollenbilder und einer Darstellung von Beziehungen als reiner Kontroll- und Machtkampf. Das ganze ist zudem durchzogen von sexistischem und misogynem Gedankengut. Das geht dann soweit, dass Lügen als legitimes Mittel in einer Beziehung durchgehen um die eigenen Ziele zu erreichen, oder dass Frauen im Ratgeber (bzw. im Film) in Kategorien wie "Spiel-Frau" oder "Zukunfts-Frau" eingeteilt werden.

Achtung: Spoiler für den folgenden Abschnitt (wobei es eigentlich vollkommen egal ist!) 

Auf diesem Gerüst versucht der Film dann allen Ernstes, eine romantische Geschichte zu erzählen, die selbstverständlich in einem vorhersehbaren und komplett unglaubwürdigen Ende mündet, in dem sich natürlich alle ganz doll lieb haben und ihre Klischees angeblich über Bord werfen. 

Die Figuren sind, mit einer Ausnahme, durchweg unsympathische Kotzbrocken. Der Film bemüht sich händeringend, sie dem Zuschauer irgendwie schmackhaft zu machen, bei mir hat das allerdings nicht ansatzweise funktioniert. Wie soll ich auch eine Figur sympathisch gegenüber stehen, die sich über die halbe Filmlaufzeit darüber beschwert, dass sie mit ihrem Date noch nicht in der Kiste gesprungen sind?! Regina Hall ist hier die einzige Ausnahme. Sie ist nicht bis zum Abwinken schrecklich und spielte die "fürsorgliche Mutter" zumindest halbwegs menschlich. Die meisten anderen Schauspieler verkörpern lediglich ihre Klischees und vergessen dabei völlig, ihre Figuren echte Menschlichkeit zu verleihen, und Kevin Hart spielt ohnehin ausschließlich sich selbst, was schon schlimm genug ist.

Der Rest am Film ist, typisch für die Zeit, stark überbelichtet, was einen ziemlich hässlichen Serienlook zur Folge hat. Kamera, Musik und Schnitt sind ansonsten vollkommen in Ordnung bzw. fallen zumindest nicht negativ auf. 

 

 

Als Gesamtpaket ist Denk wie ein Mann aber eine bodenlose Frechheit. Die Handlung ist prüde, sexistisch und fußt auf äußerst fragwürdiger Moral. Der Humor ist albern, homopob und ebenfalls sexistisch und dann geht diese filmische Tortur auch noch volle 2h, die mal wieder nicht enden wollen. 

Ich rate dringend davon ab, sich diesen Film anzusehen. Für mich war das die filmische Umsetzung eines Alpha-Male-Potcasts, in dem Steve Harvey seine hochproblematischen Ansichten zur Beziehungswelt teilt, die aber niemand hören wollte. 

Ich denke damit ist alles gesagt!

Punkte (0,5/10)


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