Ich begrüße euch alle recht herzlich zu meiner ersten Doppel-Kritik! Aus gegebenem Anlass ergibt es nämlich Sinn, beide Filme des Grindhouse-Specials von Robert Rodriguez und Meisterregisseur Quentin Tarantino gemeinsam zu besprechen.
Kurz zur Einordnung: In den 60er- und vor allem in den 70er-Jahren gab es Kinos, die sich auf B-Movies, sogenannte Exploitation-Filme, spezialisiert haben. Das waren Low-Budget-Produktionen, die oft sehr billig gemacht waren und in der Regel durchzogen waren von Gewalt, Blut und Nacktheit. Diese Filme wurden häufig als Double-Feature gezeigt mit Trailern zwischen den einzelnen Filmen. Die Kinos, die solche Programme anboten, nannte man Grindhouse. Im Jahr 2007 wollten Robert Rodriguez und Quentin Tarantino dieser Ära Tribut zollen und produzierten gemeinsam ein vollwertiges Double-Feature im Stile dieser Zeit, inklusive 5 Fake-Trailer von weiteren Regisseuren.
Im Folgenden werde ich beide Hauptfilme des Specials kritisch beurteilen, um am Ende sagen zu klären, welcher für mich der bessere Film ist.
Spoiler: Es gibt einen klaren Gewinner!
1. Film: Planet Terror (Robert Rodriguez):
Bei Planet Terror handelt es sich um einen extrem überdrehten Zombiefilm, bei dem die Handlung eigentlich vollkommen egal ist. Stattdessen geht es um absurde Figuren in noch absurderen Situationen und vor allem um jede Menge Blut und Gedärme. Sowas muss man zugeben mögen, und für Menschen, die empfindlich auf Blut und Gewalt reagieren, ist dieser Film definitiv nichts.
(Kleiner Fun Fact: In Deutschland wurde der Film beim DVD-Release 2008 sehr zügig indiziert und kam erst 11 Jahre später wieder vom Index herunter.)
Qualitativ hat Planet Terror einiges zu bieten. Rodriguez schafft es hervorragend, den Grindhouse-Stil sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch umzusetzen. Die Action ist übersichtlich, die Splatter-Effekte sehen fantastisch aus, und die bewusst simpel gestrickte Handlung sorgt zeitweise für Unterhaltung. Das Schauspiel ist zwar auf dem zu erwarteten Niveau, bietet aber mit Josh Brolin und Bruce Willis echte Schauspiel-Schwergewichte, die dem Film eine zusätzliche Würze verleihen.
Unterm Strich funktioniert Planet Terror als Hommage sehr gut, trotzdem ging er mir als Gesamtwerk nicht vollständig auf.
Das liegt vor allem an der Laufzeit: Mit 105 min ist der Film mindestens 20 min zu lang. Anstatt sich konsequent auf den Exploitation-Aspekt zu konzentrieren, packt Rodriguez zu viel Handlung oberdrauf, die mich aber weitestgehend nicht interessiert hat. Dadurch braucht der Film erstmal eine ganze Weile, um in Fahrt zu kommen. Wenn die Action dann endlich einsetzt, flacht diese sehr schnell wieder ab, da es an wirklich clevere Ideen und spannende Set-Pieces leider mangelt. Das Finale ist nochmal ganz unterhaltsam, aber zu diesem Zeitpunkt habe ich mich an dem ständigen Zombie-Gemetzel bereits mehr als sattgesehen.
Fazit: Planet Terror ist ein solider Film, der den Grindhouse-Gedanken sehr gut einfängt. Für meinen Geschmack ist er jedoch zu lang und wird relativ schnell repetitiv, was dem Unterhaltungswert sehr schadet.
Punkte (6,5/10)
2. Film: Death Proof (Quentin Tarantino):
Bei Death Proof handelt es sich um... keine Ahnung, ehrlich gesagt. Es geht auf jeden Fall um Frauen, einen mysteriösen Typen und Füße... oder so. Zugegeben viel Handlung steckt hier jedoch auch nicht drin, die man sinnvoll zusammenfassen könnte.
Irgendwann Richtung Ende des Films habe ich mich gefragt, ob Tarantino überhaupt daran interessiert war, einen echten Grindhouse-Film zu drehen. Stattdessen stellt Death Proof vor allem seine eigene Handschrift in den Mittelpunkt. Das Ergebnis wirkt eher wie ein selbstfokussierter Tarantino-Film. Allerdings fehlen genau die Elemente, die seine filme sonst so großartig machen. Anstatt dessen ist das Ganze unnötig in die Länge gezogen und über weite Strecken ziemlich ereignisarm.
Achtung: Spoiler für den folgenden Abschnitt
Zu Beginn entsteht noch eine gewisse Spannung, vor allem durch Kurt Russell's Figur. Der Aufbau seines Charakters und die Begegnung mit der ersten Frauengruppe sind teilweise stark geschrieben und hervorragend gespielt. Das Problem: Dieser Spannungsbogen hält nur bis zur Filmmitte, denn dort werden quasi alle Karten auf den Tisch gelegt. Danach beginnt der Film im Grunde wieder von vorne, mit neuer Gruppe und Umgebung.
Über weite Strecken sieht man dabei zu, wie sie über absolute Nichtigkeiten und oberflächlichen Quatsch reden. Kaum eine Dialogszene konnte mich wirklich überzeugen, und da der Film hauptsächlich nur aus Dialog besteht, zieht sich das Ganze auch so enorm. Am Ende gibt es zwar noch ein viel zu lange, aber beeindruckende Actionsequenz, die nochmal ein bisschen Spannung reinbringt. Das Finale selbst ist jedoch wirklich enttäuschend und insbesondere das Schicksal von Mary Elizabeth Winstead's Figur hat mich unglaublich wütend gemacht.
Ich denke, es wird deutlich, warum mir Death Proof wirklich nicht gefallen hat. Er ist durchaus sauber inszeniert und lebt von einem großartigen Kurt Russell, aber darüber hinaus war er für mich ein inhaltsleerer und nervtötender Film. Und dazu ist auch noch der Grindhouse-Aspekt kaum zu erkennen. Für mich ist das mit Abstand Tarantinos schwächster Film und der klare Verlierer dieses Double-Features.
Punkte (4,5/10)
Als Gesamtprojekt hat das Grindhouse-Special für mich nicht wirklich gut funktioniert. Beide Filme haben ihre Stärken, aber auch deutliche Schwächen, die das Gesamtbild arg runterziehen. Für Fans der alten Tage aber bestimmt ein Blick wert, für alle anderen eher optional.
Fast schon ironisch, dass für mich das Highlight des gesamten Projekts ausgerechnet der Fake-Trailer zu Machete von Robert Rodriguez ist.
Punkte (6,5/10) (Das Special als Ganzes)
Bonus: Fake-Trailer
Neben Machete gibt es noch Werewolf Women of the S.S. von Rob Zombie, der durchaus unterhaltsam ist und ziemlich sicher Rob Zombies bestes Werk ist... Was allerdings nicht für den Mann und seine Vita spricht. Don't von Edgar Wright ist dagegen eher unspektakulär und bleibt kaum im Gedächtnis. Thanksgiving von Eli Roth ist ebenfalls schwach, aber zumindest besser als Roths späterer gleichnamiger (und stinklangweiliger) Langspielfilm. Und schließlich noch Hobo with a Shotgun, den ich persönlich wiederum ziemlich unterhaltsam fand.
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