Ich bin zugegeben nicht der allergrößte Fantasy-Fan (Ich weiß, mal eine ganz neue Aussage von mir😉). Geschichten im Weltall oder dystopische Zukunftsszenarien haben mich schon immer mehr begeistert, als Erzählungen über Zauberei und Fabelwesen.
Aber eigentlich hätte ich mir diese Einleitung auch sparen können, denn The Legend of Hercules ist völlig unabhängig von der Geschmacksfrage ein regelrecht katastrophaler Film.
Das Vorhaben von Regisseur Renny Harlin war vermutlich, die klassische Herkules-Geschichte zu nehmen und sie im Stil von 300 neu zu erzählen. Was Renny Harlin jedoch letztendlich ablieferte ist eine uninspirierte Nacherzählung, die storytechnisch nahezu alles über Bord wirft. Der frei gewordene Platz wird stattdessen mit furchtbar hässlichen Kämpfen in übertriebener Zeitlupe gefüllt.
Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, wie es Harlin hier nicht schafft auch nur eine halbwegs vernünftige Actionsequenz zu inszenieren. Die Action leidet an allen Ecken und Enden:
- Kämpfe sind zum Teil miserabel choreografiert
- Es fehlt jegliches Timing
- Teilweise verschluckt der Schnitt ganze Bewegungen
- Die Kamera nimmt fragwürdigste Positionen ein
- Und nachvollziehbare Szenen-Geografie ist quasi non-existent (Was wichtig wäre, damit man weiß, wo welche Figur im Kampf steht)
Zusätzlich sorgen die penetrante Verwendung von Zeitlupe dafür, dass das Bild förmlich einfriert und der Action jegliche Wucht genommen wird. Und als wäre das nicht schon genug, setzt Harlin noch einen oben drauf und überfrachtet den halben Film mit unfassbar hässlichen und unfertigen Computer-Effekten, die alles künstlich und billig wirken lassen.
Als Action-Fantasy-Film schießt sich The Legend of Hercules damit eigentlich schon komplett ins aus, doch da hört das Trauerspiel aber leider noch nicht auf. Die Handlung, abseits der Action, ist eine Ansammlung von sämtlicher denkbarer Klischee, die man einer Rache- und Verratsgeschichte entnehmen kann, die zudem wie eine dreiste Kopie des Klassikers Ben-Hur daherkommt.
Das absolute Lowlight des Films ist jedoch das Schauspiel, allen voran Hauptdarsteller Kellen Lutz. Seine Leistung als limitiert zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Jede seiner Emotion wirkt extrem eindimensional und künstlich
Beispiele:
- Wenn er wütend spielen muss, dann werden die Zähne zusammengebissen;
- wenn er schockiert ist, setzt er ein so starren Blick auf, wie ein Reh, dass ins Scheinwerferlicht schaut
Das zieht sich durch den gesamten Film und sorgt dafür, dass wirklich jeder Charaktermoment mit ihm regelrecht unterirdisch ist.
Aber auch Scott Atkins als Antagonist überzeugt ganz und gar nicht. Für ihn bedeutet "böse sein" hauptsächlich, mit heruntergezogen Augenbrauen finster in der Gegend zuschauen und ansonsten rumzubrüllen. Die restlichen Schauspieler verkörpern in der Regel ebenfalls recht stümperhaft uninspirierte Klischees, wie den bösen Stiefbruder oder der klassische Love-Interest. Einzige positive Ausnahme ist Liam Garrigan als Iphicles, der seine Rolle zumindest halbwegs glaubwürdig spielt und nicht in übertriebenes Overacting verfällt.
Der einzige weitere positive Aspekt, der dem Film noch vor einer absoluten Vollkatastrophe bewahrt, sind die Kostüme. Diese wirken tatsächlich hochwertig und sind mit einer sichtbaren Liebe für Details entworfen worden.
Trotzdem bleibt The Legend of Hercules ein trauriges Beispiel dafür, dass man nicht jede Geschichte zwanghaft "cool" neu interpretieren muss. Es überrascht daher überhaupt nicht sonderlich, dass dieser Film an der Kinokassen massiv gefloppt ist.
Das hier kann getrost auslassen und ist mit dem Disney-Zeichentrickklassiker weiterhin um Welten besser bedient.
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