Black Window hatte es bei mir schon von Anfang an schwer. Bereits die Ankündigung konnte mir nur ein müdes Achselzucken entlocken, und weder die Trailer noch die durchwachsen Kritiken konnten daran ändern. Außerdem war ich zum Zeit der Veröffentlichung im Jahre 2021 vom MCU und Superheldenfilmen allgemein so übersättigt, dass mich, abgesehen von wenigen Ausnahmen, kaum noch ein Film wirklich interessiert hat.
Nun habe ich den Film im Rahmen der Vorbereitung auf einen möglichen Kinobesuch von Avengers: Doomsday nun nachgeholt und meine ursprünglichen Befürchtungen wurden nicht nur bestätigt, sondern sogar noch grandios untertroffen.
Für mich ist Black Window leider kein guter Film geworden, an manchen Stellen ist er sogar regelrecht schrecklich und zählt für mich aktuell zusammen mit Captain Marvel zu den schwächsten Beiträgen im gesamten MCU.
(Damit in der folgenden Kritik keine Verwirrung entsteht: Ich schreibe „Black Widow“ kursiv für den Filmtitel und fett gedruckt für die Figur.)
Worum geht's:
Chronologisch spielt der Film nach den Ereignissen von Captain America: Civil War. Natasha Romanoff befindet sich auf der Flucht, wird jedoch schnell in eine geheime Verschwörung hineingezogen, die tief mit ihre Vergangenheit verknüpft ist. Dabei trifft sie auf alte Verbündete und muss sich einer Organisation stellen, die sie längst für vernichtet hielt.
Mein Hauptproblem mit dem Film, dass mich Black Window als Figur nie wirklich interessant hat. Für mich war sie immer die eine Nebenfigur, die meiste Zeit im Hintergrund steht, gelegentlich solide Actionszenen bekommt und ansonsten nur durch One-Liner auffällt. Entsprechend skeptisch war ich, ob sie einen eigenen Film tragen kann... und meiner Meinung nach gelingt das nicht.
Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass diese Geschichte wirklich erzählenswert ist. Black Window wirkt bereits zu Filmbeginn auserzählt, und daran änderte sich im weiteren Verlauf auch nichts. Stattdessen muss die Titelheldin in ihrem eigenen Film hauptsächlich Platz für neue Figuren machen, die mich, mit einer Ausnahme, kaum interessiert haben.
Wie so oft krankt der Film zudem an den typischen Marvel-Problemen: Eine unnötig aufgeblähte Handlung, die aber schwer damit zu kämpfen hat, überhaupt eine zu sein sowie dem bekannte Marvel-Humor, der jede Form von Ernsthaftigkeit innerhalb kürzester Zeit zerstört.
Das ist besonders schade, weil der Film eigentlich einen starken emotionalen Kern über das Thema Familie und der Umgang mit vergangenen Bindungen. In einzelnen Szenen gelingt es Black Window auch, diesen Aspekt schön anzusprechen. Über die gesamte Laufzeit von 134 min hinweg ist das aber viel zu wenig.
Zumindest funktioniert Scarlett Johansson in der Hauptrolle nach wie vor hervorragend. Ich kann mir niemand anderen in dieser Rolle vorstellen, und als starke Schauspielerin bringt sie den emotionalen Kern auch überzeugend rüber. Wirklich neue oder tiefere Facetten ihrer Figur bekommen wir jedoch nicht wirklich zu sehen. Im Grunde bleibt sie bei dem, was wir aus 11 Jahren Marvel bereits kennen.
Die fehlende Charaktertiefe wird stattdessen von einer anderen, ebenfalls grandiosen Schauspielerin aufgefangen: Florence Pugh, der für mich größte Lichtblick des Films. Als Black Windows Schwester Yelena liefert sie eine herausragende Leistung ab. Sie transportiert Emotionen oft alleine durch ihre Mimik und insbesondere durch ihre Augen. Nicht ohne Grund gehört sie aktuell zu den besten Jung-Schauspielerinnen Hollywoods. Man könnte sogar argumentieren, dass ihr schauspielerisches Niveau für diese Art Marvel-Blockbuster beinahe zu hoch ist.
Umso erfreulicher zu sehen, dass Marvel hier tatsächlich einmal jemanden Raum gibt, eine Rolle wirklich spielen dürfen und nicht wieder jemand zu casten, der dann nur sich selbst spielt. Nur schade, dass das längst nicht für den ganzen Cast gilt.
Ein Beispiel dafür ist David Harbour, der für mich in Filmen inzwischen zu einem Warnsignal mutiert ist. Immer wenn sein Name auftaucht, hat sich für mich herauskristallisiert, dass der Film entweder sehr unterschiedlich oder schlichtweg miserabel ist. So geschehen in Sonys Dauerwerbe-Schwachsinn Gran Turismo oder ihm unglaublich miesen Violent Night. (vom Hellboy-Reboot mal ganz zu schweigen!)
In Black Window spielt er erneut den überdrehten Sprücheklopfer, der mir bereits nach wenigen Minuten Screentime schon massiv auf die Nerven ging. Zwar hat auch seine Figur einzelne gute Momente, doch werden diese durch schwache Dialoge und viele misslungene Gags deutlich abgeschwächt.
Die restlichen namenhaften Schauspieler wie Rachel Weisz und Ray Winstone bleiben dagegen blass und verschenkt, was auch eine typische Marvel-Sünde ist. Und dann gibt es noch die Figur Taskmaster, deren Entwicklung sehr vorhersehbar und uninspiriert ist und als Antagonist mal so gar nicht funktioniert.
Insgesamt wäre Black Window damit höchstens durchschnittlich, irgendwo auf einem Niveau mit Iron Man 2 oder Der unglaubliche Hulk. Was den Film jedoch zusätzlich nach unten zieht, ist die teils katastrophale technische Umsetzung: Insbesondere Schnitt und Effekte.
1.) Der Schnitt
Gerade am Anfang ist der Schnitt eine einzige Katastrophe! Man kann sich den Schnitt ungefähr so vorstellen, als hätte ein Kind mit seiner ZickZack-Schere aus dem Bastelunterricht die Filmrolle massakriert und anschließend alle Schnipsel wahllos wieder zusammen geklebt
Besonders in Actionszenen wird dem Zuschauer ein wüstes Schnittgewitter vorgesetzt. Bewegungsabläufe sind kaum nachvollziehbar, sichtbare Treffer auf Gegner sind selten zu erkennen, und die räumliche Orientierung geht irgendwann komplett verloren. Hektisch und teils unüberlegt geschnittene Szenewechsel sowie extreme Kameradrehungen, bei denen das Bild nach einem Schnitt nicht selten eine vollständige 180°-Drehung vollzieht, verschärfen dieses Problem zusätzlich.
Selbst simple Dialog-Sequenzen leiden darunter. Der Film schneidet in Dialogen permanent zwischen den sprechenden Figuren hin und her, sobald jemand das reden beginnt. Das sorgt für noch mehr Unruhe und zerstört auch die restliche Übersicht problemlos.
Auch die Kamera wirkt oft willkürlich. Figuren werden aus völlig ungewöhnlichen Winkeln gefilmt oder die Kamera schafft es nicht, die Figuren zentral im Bild zu positionieren.
Das ganze Kamera- und Schnittproblem bessert sich zum Ende hin glücklicherweise, allerdings auch nur, weil dort die Effekte zu eigentlichen Tortur werden.
Und das ist das Stichwort für...
2.) Die Effekte
Was hier schiefgelaufen ist, ist schwer zu begreifen. Die Effektqualität ist für ein Milliarden Konzern, aus einem Milliardenfranchise und für eine Produktion, die rund 288,5 Mio. $ (!!!) verschlungen hat (+ eine mehr als einjährige COVID-Verschiebung ertragen musste) indiskutabel.
Das ist keine Kritik an die hart arbeitenden VFX-Künstler, ohne die solche Blockbuster gar nicht denkbar wären, sondern an schlechte Entscheidungen auf Produktionsseite. Vermutlich haben auch umfangreiche Nachdrehs daran eine Mitschuld, bei denen am Ende für ordentliche Effekte keine Zeit, kein Geld oder vermutlich beides nicht zur Verfügung war.
Bereits die erste größere Actionszene auf der Brücke hat dermaßen unfertige Effekte, dass es umso erstaunlicher ist es, wie die finale Materialschlacht dieses Niveau noch einem gewaltig unterbietet. Es lässt sich kaum in Worte fassen, wie katastrophal die gesamte Endschlacht aussieht.
Worin die Schwächen der Effekte liegen und warum sie so auffallen:
- Vorder- und Hintergrund passen häufig nicht zusammen
- Die Ausleuchtung wirkt unnatürlich
- CGI-Objekte sehen aus, als haben sie kein Gewicht
- Objekt-Bewegungen sind zu glatt und verstoßen gegen jede physikalische Gesetze
- Digital erweitere Kamerafahrten brechen die Immersion in Sekunden
Solche massiven CGI-Schwächen kenne ich hauptsächlich von Fast & Furious. Im MCU ist mir das allerdings neu.
Besonders traurig ist, dass man an einigen Stellen erkennt, dass mit praktische Effekte gearbeitet wurde und sogar echte Stunts durchgeführt wurden, nur um diese später unnötig digital zu überarbeiten, was die Arbeit fast wieder zur Nichte macht. (Noch so eine Fast & Furious-Sünde, wobei das bei Marvel auch nichts neues ist.)
Black Window ist einer von den MCU-Filmen, die sich wie Content für Disney+ anfühlen und nicht wie ein Film mit klarer kreativer Vision. Ähnlich wie Disneys seelenlose Remakes ihrer Zeichentrick-Klassiker.
Ja, der Film hat seine Momente, der emotionale Kern funktioniert in einzelnen Szenen, besonders in der Mitte des Films. Und Florence Pugh rettet mit ihrer Performance einiges. Wer außerdem kein Problem damit hat, dass die Action wie aus einem Videospiel von 2012 aussieht, dürfe auch hier auf seine Kosten kommen.
Für mich wird Black Window jedoch durch Fehlentscheidungen, einer grundlegend schwachen Umsetzung und Figuren wie die von David Harbour deutlich heruntergezogen.
Das größte Ärgernis bleibt am Ende aber, dass ausgerechnet wieder ein Superheldenfilm mit weiblicher Hauptfigur so enttäuschend ausfällt. Ich würde mir sehr wünschen, dass solche Projekte künftig mit derselben Sorgfalt behandelt werden wie ihre männlichen Gegenstücke. (Vielleicht gelingt das ja mit Supergirl 2026. 🙂)
Punkte (4,5/10)
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