Dieser "Film" ist ein Paradebeispiel dafür, mit welcher Gleichgültigkeit Netflix teilweise auf das Medium Film blickt.
Für Netflix scheinen Filme und Serien oft weniger als ernsthafte künstlerische Ausdrucksformen zu gelten, sondern vielmehr als reiner Content. Entsprechend entsteht nicht selten der Eindruck, dass die Qualität ihrer Inhalte zweitrangig ist, entscheidend ist lediglich das genug Leute auf "Ansehen" klicken.
Natürlich gibt es Ausnahmen: Filme wie The Irishman, Klaus oder Beasts of No Nation zeigen, dass auf der Plattform auch echte Perlen entstehen können, die ohne Netflix vermutlich nie realisiert worden wären.
Der Großteil ihres Katalogs ist jedoch äußerst durchwachsen oder schlichtweg scheußlich. Und nach den filmischen Totalausfällen aus der Netflix-Fabrik wie dem Death Note-Remake, 6 Underground, Im Wasser der Seine oder dem grauenhaften Uglies steht mit Fear Street: Prom Queen bereits der nächste Anwärter parat, der sich mühelos in meine Top 5 der schlechtesten Netflix-Originals eingeschlichen hat.
Worum geht's:
Fear Street: Prom Queen spielt im Jahr 1988. An der Shadyside High eskaliert der Konkurrenzkampf um die Prom-Queen-Krone, als plötzlich eine Außenseiterin zur Kandidatin wird. Kurz darauf verschwinden erste Schülerinnen, und die glamouröse Ballnacht entwickelt sich zunehmend zu einem blutigen Albtraum.
Ich muss allerdings gestehen, dass ich ohnehin keinerlei Erwartungen hatte. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, mir diesen "Film" anzusehen, da ich bereits die drei Vorgänger allesamt ziemlich unerträglich fand und dem Slasher-Genre generell wenig abgewinnen kann. Irgendwie verspürte ich dann aber doch den Drang, die Reihe zu beenden, was sich nach der Sichtung als fataler Fehler herausgestellt hat.
Fear Street: Prom Queen ist für mich feinste Anti-Unterhaltung: Ein Produkt, das primär darauf ausgelegt ist, möglichst billig Klickzahlen zu generieren und darüber hinaus lediglich als austauschbarer Content funktioniert. Hier steckt weder Liebe noch eine erkennbare Vision, geschweige denn Qualität drin. Schon lange hat mich kein Film mehr so sehr aufgeregt wie dieses seelenlose Produkt über seine gesamte Laufzeit hinweg.
Das größte Problem liegt für mich in der Art, wie das Drehbuch geschrieben ist:
Im Grunde ist das abgefilmter Ragebait, der bewusst so konstruiert ist, dass man sämtliche Figuren unsympathisch finden soll, damit man im Umkehrschluss Freude dabei empfindet, wenn sie schließlich abgeschlachtet werden. So etwas vernünftig zu schreiben, ist definitiv nicht einfach, das gestehe ich ein, aber den Macher dieses "Films" fehlt schlicht das nötige Talent, das vernünftig umzusetzen.
Stattdessen zwingen die Autoren dem Zuschauer Emotionen auf, die sie selbst künstlich und unkreativ erschaffen müssen. Dadurch hatte ich nie das Gefühl, echte Menschen zu sehen, die sich zumindest ansatzweise glaubwürdigen Situationen stellen müssen, sondern billige Karikaturen ohne Persönlichkeit. Das führt dazu, dass der Zugang zum "Film" schnell verloren geht und der halbe Film unfassbar vorhersehbare und damit sterbenslangweilig wird.
Dadurch bricht der Film bereits in sich zusammen und legt selbst die Messlatte im Slasher-Genre, in dem solche erzählerischen Ansätze nicht unüblich sind, noch einmal deutlich tiefer. Doch damit noch nicht einmal genug:
Mies geschriebene Figuren sind schon schlimm genug. Wenn jedoch ausnahmslos jeder Darsteller schwach spielt und diese Leute zusätzlich furchtbar gestelzte Dialoge aufsagen müssen, wird das Ganze irgendwann einfach nur noch lächerlich. Viele Schauspieler overacten sich regelrecht einen ab und spielen ihre Figuren so überzeichnet, dass die ohnehin schon aufgesetzte Künstlichkeit nur noch stärker hervorgehoben wird.
Auch die allgemeine Handlung, einzelne Handlungsentscheidungen und -entwicklungen sind, wenig überraschend, auch miserabel geschrieben. Der Aufbau wirkt seltsam, das Erzähltempo ist völlig uneben, Twists und Turns sind komisch, Figuren treffen teils völlig unplausible Entscheidungen, die so aus dem Nichts kommen und das Ende ist schließlich eine einzige Vollkatastrophe.
Mir ist bewusst, dass die Fear Street-Reihe generell überdreht ist und man sie mit einem gewissen Augenzwinkern betrachten soll. Allerdings finde ich, dass die Reihe dieses Augenzwinkern nie wirklich erfüllen konnte und sich stattdessen die meiste Zeit unangenehm ernst nimmt. Und wie ich bereits ausführlich erläutert habe, sind diese Momente zudem nie wirklich gut geschrieben und wirken meist unglaublich billig.
Und bei alle dem funktionieren nicht einmal die Gewaltspitzen, also genau der Aspekt, weshalb man sich einen Slasher überhaupt anschaut. Zwar sind die Kills zumindest ordentlich blutig, doch darüber hinaus haben diese Szenen kaum etwas zu bieten. Nicht nur sehen die Effekte einfach grotesk billig aus und dienen angesichts der langweiligen Handlung nur dazu, das Publikum wachzuhalten, sie sind zudem mit einem generellen Desinteresse an Timing, Wucht und Zuspitzung inszeniert.
Das gilt aber für den gesamten "Film", der aus einem lieblos herunter gefilmtem Brei aus überstrahlten, viel zu scharfen und farblich übersättigten Bildern besteht. Eine vergleichbare Bildsprache wie in den Vorgängern sucht man vergebens und 80er/90er-Feeling, das zumindest thematisch gepasst hätte, kommt durch die hochauflösende Digitaloptik erst Recht nicht auf (Ein Filmkorn-Filter hätte hier schon einen großen Unterschied gemacht). Inszeniert ist das Ganze auf dem geistigen Niveau eines YouTube-Videos von 2010, und die musikalische Untermalung ist derart belanglos, dass man sie bereits vor den Abspann vergessen hat.
Und was das alles überhaupt noch mit Fear Street zu tun haben soll, bleibt selbst mir ein Rätsel. Abgesehen davon, dass die Handlung in Shadyside spielt, gibt es kaum bis keine weiteren Gemeinsamkeiten mit den vorherigen Teilen. Dieser Tatbestand untermauert aber meine anfängliche These sehr gut, dass es Netflix hiermit nur um schnelles Geld und möglichst hohe Aufrufzahlen ging.
Nach all den negativen Worten möchte ich aber noch eines klarstellen:
Nur weil mir Fear Street: Prom Queen nicht gefallen hat, bedeutet das natürlich nicht, dass das für alle gilt. Meine Sichtweise ist nur eine von vielen, und Aspekt die für mich stark ins Gewicht fallen, können für andere wieder schwer wiegen. Ich denke auch, dass der Film durchaus unterhalten kann, wenn man mehr mit der Reihe und dem Genre anfangen kann, selbst wenn man ihn nur als Trash wahrnimmt
Um dieses Kapitel aber für mich abzuschließen:
Fear Street: Prom Queen bietet in meinen Augen keine bis gar keine Qualitäten und kommt wie ein fauler Cashgrab daher, der seiner Existenzberechtigung schuldig bleibt. Für meinen Seelenfrieden hoffe ich, dass dieser "Film" die Reihe endgültig begraben hat und ich nie wieder von Shadyside hören muss.
Punkte (0/10)
Kommentar hinzufügen
Kommentare