Hellboy

Veröffentlicht am 10. Juli 2026 um 18:53

Auf die Hellboy-Filme habe ich mich damals wirklich gefreut, da ich gehofft hatte, eine Comic-Verfilmung auf dem Niveau des ersten Blade-Films zu bekommen. 2019 wäre dafür aus meiner Sicht sogar die perfekte Zeit gewesen. Kurzzeitig wollte ich für das Reboot auch ins Kino gehen, doch als die Kritiken nahezu ausnahmslos vernichtend ausfielen, habe ich erstmal darauf verzichtet. So kam es, dass ich erst 2021 alle drei Live-Action-Filme zum ersten Mal gesehen habe. Mit den Ergebnissen bin ich allerdings mit gemischten Gefühlen zurückgeblieben und letztendlich sogar etwas enttäuscht gewesen. 

Nachdem dem dieses Jahr mit Hellboy: The Crooked Man mittlerweile der vierte Live-Action-Film und bereits das zweite Reboot der Hellboy-Lizenz bei Amazon Prime aufgeschlagen ist, habe ich das zum Anlass genommen, den Filmen nochmal eine Chance zu geben. 

Wie ich heute zu den Filmen stehe, werde ich in dieser und in folgenden Kritiken erläutern. Und beginnen möchte ich natürlich am Anfang mit Guillermo Del Toros Hellboy von 2004.

 

 

Worum geht's:

Der Film Hellboy folgt einem übernatürlichen Dämon, der in der Menschenwelt aufwuchs und nun für eine geheime Behörde als Ermittler für paranormale Geschehnisse arbeitet. Als eine uralte Bedrohung wieder auftaucht, muss er sich ihr stellen, ohne dass seine eigene Herkunft zu viel über ihn bestimmt.

 

 

Leider muss ich gleich vorweg sagen, dass ich weiterhin kein allzu großer Fan von dieses Films bin. Ich finde, dass hier insbesondere storytechnisch viel Potential liegen gelassen, was mir bei der Zweitsichtung sogar noch deutlicher aufgefallen ist. 

Das ist für mich allerdings auch eine kleine Schwäche von Guillermo del Toro. Versteht mich nicht falsch: Ich halte ihn für einen großartigen Filmemacher mit einer beeindruckenden visuellen Handschrift. Filme wie Shape of Water oder auch Pacific Rim beweisen eindrucksvoll, was er inszenatorisch auf dem Kasten hat. Leider schaffen es seine Geschichten bei mir emotional oft nicht, die gewünschte Wirkung zu erziehlen. Besonders aufgefallen ist mir das zuletzt bei seiner Frankenstein-Verfilmung für Netflix.

Hellboy vereint für mich beide Seiten von del Toro. Auf der einen Seite stehen erstklassige Practical Effects und ein großartiges Produktionsdesign, auf der anderen Seite eine Geschichte, die für mich emotional nie wirklich funktioniert.

 

Aber kommen wir zunächst zu den positiven Aspekten:

Die Practical-Effects, Kostüme und das MakeUp ist wirklich erstklassig. Das hier ist noch ehrliches, handgemachtes Kino, was deutlich besser altert als die nächste beliebige CGI-Schlacht. Das zeigt sich lustigerweise auch im Film selbst, denn während die Practical-Effects heute noch erstaunlich gut aussehen, sind die Computereffekte inzwischen sichtbar gealtert.

Ein besonderes großes Lob möchte ich aber für die Kostüme aussprechen. Es ist wirklich beeindruckend wie großartig und detailverliebt diese sind. Es gibt zwei Figuren im Film, da sieht man diese Liebe zum Detail in all seiner Pracht. Viele Regisseure, die diese Visionär Kraft eines Del Toros nicht haben, wären hier vermutlich vollständig auf CGI gegangen, selbst wenn die Technik dafür noch nicht bereit gewesen wäre. 

Was Hellboy ebenfalls enorm zugutekommt, ist Ron Perlman in der titelgebenden Rolle. Das ist einer dieser Fälle, in denen ein Schauspieler so perfekt zur Figur passt, dass man sich kaum jemand anderen in dieser Rolle vorstellen kann. Auch wenn ich neuen Interpretationen grundsätzlich offen gegenüberstehe, muss ich gestehen, dass Perlman für mich der einzig wahre Hellboy ist und bleiben wird. Man nimmt die Rolle vollkommen ab. Allein durch seine Präsenz verkörpert er den rauen Haudrauf glaubwürdig, schafft es aber gleichzeitig, die emotionalen Momente der Figur überzeugend zu transportieren und ihr dadurch die notwendige Tiefe zu verleihen.

Gemeinsam mit John Hurt, der ohnehin immer eine sichere Bank ist, Doug Jones, Selma Blair, die eine der emotionaleren Figuren des Films glaubwürdig verkörpert, und Jeffrey Tambor entsteht eine Gruppendynamik voller Charme, Humor und Herz. Lediglich Rupert Evans, der ebenfalls eine größere Rolle einnimmt, konnte mir nicht besonders viel geben. Zu den Antagonisten komme ich gleich noch.

 

Denn damit wären wir bei meinem persönlich größten Problem mit Hellboy: der Geschichte.

Sie schafft das Kunststück, gleichzeitig unnötig aufgeblasen und dennoch überraschend unspektakulär zu sein. Zwar hat die Handlung definitiv ihre Momente, insgesamt wirkt die Bedrohung aber ziemlich albern, während sich der Film in zu vielen Subplots verliert, deren Unterhaltungswert stark schwankt. Hinzu kommt ein Finale, das zu überhastet wirkt und sich zunehmend in unansehnlichen Computereffekte verliert. All das wäre deutlich weniger ein Problem, wenn der Film nicht ganze zwei Stunden laufen würde. Gerade daran merkt man deutlich, dass der Handlung ein klarer Fokus fehlt.

Dazu sind die Antagonisten insgesamt sehr schwach geschrieben. Ihre Motivation bleibt bis zum Ende unplausibel und wirkt stellenweise sehr weit hergeholt. Zudem kommen die antagonistischen Kräfte innerhalb der Handlung kaum zum tragen. Es gibt zwar einen Gegenspieler, den ich für all jene, die den Film noch nicht gesehen haben, nicht vorwegnehmen möchte, der allein durch seine Erscheinung einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Der eigentliche Hauptantagonist bleibt dagegen leider ausgesprochen uninteressant, weshalb nie wirklich das Gefühl einer starken gegnerischen Kraft entsteht.

 

 

Alles in allem ist Hellboy für mich eine gut gemeinte Comicverfilmung, die ihr Potenzial jedoch nicht vollständig ausschöpfen kann.

Trotzdem möchte ich eine Empfehlung aussprechen. Viele Zuschauer können dem Film deutlich mehr abgewinnen als ich, und vielleicht gehört ihr ja ebenfalls dazu. Außerdem würde man sich sonst den deutlich besseren zweiten Teil entgehen lassen, dazu aber mehr in meiner nächsten Kritik.😃

Punkte: (6,5/10)

 

 

Kleine Anmerkungen:

Es kann durchaus vorkommen, dass ich eine Filmreihe künftig innerhalb eines einzigen Blogbeitrags bespreche, wenn sich zu den einzelnen Filmen keine eigenständige Kritik lohnt.

Im Fall von Hellboy habe ich zu den jeweiligen Filmen allerdings deutlich mehr zu sagen. Zudem unterscheiden sie sich in vielen Bereichen spürbar voneinander. Deshalb halte ich es hier für sinnvoller, auf jeden Film einzeln einzugehen.


Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.