Hellboy II - Die Goldene Armee ist für mich eine fantastische Fortsetzung und dem ersten Teil deutlich überlegen. Einer der wenigen Ausnahmen, in denen die klassische Sequel-Krankheit, alles größer, lauter, schneller und spektakulärer machen zu wollen, tatsächlich funktioniert und dem Film sogar zugutekommt.
Dabei sind sämtliche Stärken des Vorgängers auch hier wieder vorhanden, teilweise sogar in verbesserter Form. Gleichzeitig werden viele Probleme des ersten Films größtenteils vermieden. Ein komplett fehlerfreier Film ist Hellboy II zwar nicht, aber er kommt deutlich näher an dieses Ziel heran.
Worum geht's?
Hellboy und sein Team geraten in einen uralten Konflikt zwischen der Menschheit und einem mystischen Königreich, als ein abtrünniger Prinz versucht, die unaufhaltsame Goldene Armee zu erwecken. Gleichzeitig kämpft Hellboy mit der Frage, ob er sich seinem menschlichen Umfeld oder seiner eigenen Herkunft stärker verbunden fühlt. Dieser innere Konflikt bringt ihn zunehmend ins Grübeln und lässt ihn seine Rolle in der Welt hinterfragen.
Was erneut absolute Spitzenklasse ist, sind die Practical-Effects und vor allem die Kostüme. Besonders in einer längeren Sequenz in der Filmmitte wird das eindrucksvoll zur Schau gestellt, aber auch darüber hinaus wirft der Film dem Zuschauer beinahe durchgehend fantastisch aussehende Kreaturen, Rüstungen und Kostüme entgegen. Gleichzeitig überzeugt erneut das Set-Design auf ganzer Linie. Vor allem die bereits erwähnte Sequenz in der Filmmitte zeigt eindrucksvoll, mit wie viel Liebe zum Detail diese Welt gestaltet wurde. Dadurch fühlt sich diese Welt unglaublich greifbar, lebendig und real, was dem Zuschauer den emotionalen Zugang erheblich erleichtert.
Selbst die Computereffekte funktionieren hier deutlich besser als noch im ersten Teil. Meiner Meinung nach liegt das vor allem daran, dass die zahlreichen Practical-Effects es ermöglicht haben, die vorhandenen Ressourcen gezielter und effizienter für die CGI-Effekte einzusetzen. Natürlich hat sich die Technik in den vier Jahren zwischen beiden Filmen ebenfalls weiterentwickelt, aber wie ich bereits in meiner Black Widow-Kritik erwähnt habe, liegt die Qualität visueller Effekte häufig nicht allein am Alter der Technik.
Die Handlung selbst ist eigentlich nichts Besonderes, funktioniert in ihrer Simplizität aber gut genug, um zu unterhalten. Durch die deutlich stringentere Erzählstruktur lässt sich der Geschichte auch wesentlich besser folgen, und sowohl die Action als auch die behandelten Themen empfinde ich als interessanter und spannender als im Vorgänger.
Auch Ron Perlman glänzt erneut in der Titelrolle und liefert meiner Meinung nach sogar eine noch stärkere Leistung als im ersten Film ab. Gerade den inneren Konflikt seiner Figur bringt er sehr überzeugend auf die Leinwand. Ebenso liefern Doug Jones, Selma Blair und Jeffrey Tambor erneut hervorragende Leistungen ab. Die Chemie zwischen den Figuren funktioniert ausgezeichnet, wodurch wieder eine sympathische und unterhaltsame Gruppendynamik entsteht.
Der geheime Star des Films ist für mich allerdings die Figur Johann Krauss. Das liegt zum großen Teil an seinem großartigen Design und dem beeindruckenden Kostüm, aber auch darüber hinaus ist die Figur gelungen geschrieben. Gleiches gilt für Luke Goss als Prinz Nuada. Als Antagonist funktioniert er um Welten besser als die Gegenspieler des Vorgängers. Durch eine nachvollziehbare Motivation und eine solide Hintergrundgeschichte wirkt die Figur wesentlich greifbarer und nachvollziehbarer.
Wie eingangs bereits erwähnt, ist Hellboy II aber auch nicht perfekt. Die Kritikpunkte halten sich jedoch in Grenzen und wirken sich nur in begrenztem Maße auf den insgesamt starken Gesamteindruck aus
So gibt es einige Handlungsentscheidungen oder Wendungen, die etwas weit her geholt wirken und bei genauerem Hinsehen nicht vollständig aufgehen. Des weiteren wird Hellboys innerer Konflikt an manchen Stellen dem Zuschauer zu sehr unter die Nase gerieben und wirkt etwas plump erzählt.
Wie bereits der erste Film setzt auch diese Fortsetzung im Finale etwas zu stark auf Computereffekte, die teilweise doch recht klobig aussehen. Außerdem ist der Antagonist ist als Figur zwar deutlich besser sein übergeordneter Plan ist aber im großen und ganzen doch zu Standard und einfach erzählt.
Zudem ist der Antagonist zwar wesentlich überzeugender als der des ersten Films, doch sein übergeordneter Plan ist letztlich doch zu Standard und bietet nur wenige Überraschungen. Hier hätte man erzählerisch noch etwas mehr Mut zeigen können.
Als Gesamtwerk erreicht Hellboy II – Die goldene Armee jedoch genau das, was ich mir bereits vom ersten Film erhofft hatte: Eine ungemein unterhaltsame Comicverfilmung voller Kreativität, Charme und visueller Einfälle.
Wer mit dem ersten Teil schon etwas anfangen konnte, dürfte diesen hier lieben. Und wer mit dem ersten Teil seine Probleme hatte, sollte der Reihe spätestens hier noch einmal eine Chance geben. Für mich hat es zumindest funktioniert!
Punkte (8/10)
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