Hellboy - Call of Darkness

Veröffentlicht am 16. Juli 2026 um 16:51

Es hat tatsächlich nur bis zum dritten Film gedauert, bis diese Reihe ganz unten in der filmischen Hölle angekommen ist.

Das Hellboy-Reboot von 2019, oder wie er in Deutschland liebevoll genannt wurde, Hellboy - Call of Darkness, ist nicht nur erbärmlich schlecht, sondern stellte im wahrsten Sinne des Wortes auch eine waschechte Bankrotterklärung für das produzierende Studio Lionsgate dar und beendete nachhaltig die Karriere von Regisseur Neil Marshall derart, dass der gute Mann heute nur noch billigste Ramschware produziert. 

Die Gründe für das Scheitern dieses Reboots sind definitiv mannigfaltig und manifestieren sich auf allen Ebenen. Welche das sind und warum der Film von Anfang an keine Chance hatte, werde ich im Folgenden erklären. Aber erst einmal...

 

 

Worum geht's?

Hellboy muss sich der wiederauferstandenen Blutkönigin Nimue stellen, die die Menschheit auslöschen und die Welt der Monster zurückholen will. Während er und sein Team versuchen, ihre Pläne zu durchkreuzen, kämpft Hellboy gleichzeitig mit der Frage, ob er seinem dunklen Erbe folgen oder seinen Platz unter den Menschen finden soll.

 

 

Eine Sache ist im Vorfeld wichtig zu erwähnen: Bei all den Problemen, die dieser Film in Hülle und Fülle hat, gibt es eines, das so gravierend ist, dass es diesem Reboot bereits zu Beginn jegliche Chance genommen hat. Die Rede ist von massiven Produktionsprobleme. Ich drösele den Produktionsverlauf kurz auf, um zu verdeutlichen, was dieses Projekt alles durchmachen musste:

Nachdem ein dritter Teil mit del Toro und Perlman unmöglich wurde und man sich schließlich für einen Reboot entschieden hat, lag bereits eine gewisse Spannung auf dem Projekt. Nicht zu letzte deshalb, weil das Drehbuch schon früh als schwach und problematisch galt. 

Spätestens mit Beginn der Dreharbeiten geriet das Projekt jedoch völlig außer Kontrolle . Allgegenwärtig waren Auseinandersetzungen zwischen Regisseur Marshall und den Produzenten. Einige der insgesamt acht Produzenten (!!!) waren mit Marshalls Vision nicht zufrieden und grätschten ihm ständig dazwischen, sodass er am Ende kaum kreative Kontrolle besaß. Als Machdemonstration wurde sogar Marshalls langjähriger Stamm-Kameramann gefeuert und durch Produzentenseite ersetzt. 

Darüber hinaus gab es ständig widersprüchliche Anweisungen an Schauspieler und Crew. Szenen wurden während der Dreharbeiten immer wieder umgeschrieben, und generell mischten viel zu viele Personen am Drehbuch mit. Unteranderem auch Hauptdarsteller David Harbour, der nicht nur mehrfach frustriert das Set verließ, sondern mit dem Drehbuch derart unzufrieden war, dass er heimlich andere Autoren damit beauftragte, seine Dialoge zu überarbeiten.

Am Ende dieser Produktionshölle besaß Marshall nicht einmal mehr das Recht auf den Final Cut und bezeichnet die Erfahrung bis heute als die schlimmste seiner Karriere. Und dieses gesamte Chaos, die ständigen Probleme, widersprüchlichen Visionen und die zahllosen Drehbuchänderungen sind im Film ununterbrochen zu spüren. Was mich zu meiner eigentlichen Film-Kritik führt:

 

Was uns Lionsgate letztendlich vorgesetzt hat, ist eine absolute Frechheit. Neben Fast X habe ich selten einen derart zusammenhangslosen, sinnfreien und tonal völlig unausgewogenen Blockbuster gesehen... Und ich habe ihn mittlerweile zweimal gesehen. 

Gerade die Handlung an sich bzw. dessen Ablauf ist ein einziges Durcheinander. Der grundlegende Hauptplot rund um die Hexe Nimue ist bereits für sich genommen ziemlich lachhaft und folgt im Kern einer ähnlichen Struktur wie Thanos Suche nach den Infinity-Steinen in Avengers: Infinity War. Die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt und vorangetrieben wird, ist jedoch schlicht katastrophal.

Zunächst reiht der Film einen Subplot an den nächsten, von denen kaum einer eine nennenswerte Relevanz für die Hauptgeschichte besitzt. Sobald der Film schließlich seinen Fokus findet, häufen sich die abstrusen Handlungsentscheidungen und fragwürdigen Storybeats, die jede Form von Sinnhaftigkeit, Glaubwürdigkeit und den Spaß aus dem Fenster werfen:

Beispiele dafür sind:

  • Abrupter Szenenwechsel, die sich weder logisch ergeben noch sauber aufgebaut werden
  • Sequenzen und/oder Plotpunkte, die sich einmal im Kreis drehen 
  • Komplette Handlungsstränge, die keinem erkennbaren Zweck dienen 
  • Figuren, die kurz eingeführt werden und anschließend nie wieder auftauchen
  • Szenen und Entscheidungen, die dem widersprechen, was der Film zuvor gezeigt oder erzählt hat

Lediglich eine wirklich gelungene Szene funktioniert (Stichwort: Baba Yaga). Diese ist atmosphärisch dicht, handwerklich stark umgesetzt und sauber inszeniert. Vor allem zeigt sie aber eindrucksvoll, welches Potenzial in diesem Reboot eigentlich gesteckt hätte.

 

Dass man ansonsten mit Figuren bombardiert wird, die keinerlei Persönlichkeit besitzen, keine nennenswerte Entwicklung durchmachen oder lediglich als Stichwortgeber fungieren, scheint am Ende wohl niemanden interessiert zu haben. Es ist nämlich wirklich erstaunlich zu beobachten, wie Hellboy und sein Team im Grunde dieselben Charakterzüge teilen und munter einen One-Liner nach dem anderen abfeuern. Zu blöd nur, dass keine davon auch nur ansatzweise zündet und stattdessen wie billige Kopien des Marvel-Humors wirkt... Nur eben mit mehr Schimpfwörtern, weil R-Rated.

Es ist zudem auch ein gewisses Armutszeugnis, wenn die Hälfte der Dialoge eben nur aus Beleidigungen bzw. auf cool getrimmte Wortgefecht besteht und der Rest nichts weiter als reine Exposition ist. (An dieser Stelle: Keine Ahnung, was David Harbour an seinen Dialogen hat ändern lassen, aber von talentierten Autoren sind diese definitiv nicht entsprungen.) Wenn dazu noch eine schauspielerische Bandbreite geboten wird, die von verschenktem Potential bis hin zu hochgradigem Untalent reicht, wirken diese Dialoge gleich noch drei Oktaven schlimmer. 

Zu David Harbour habe ich meine Meinung bereits in meiner Black Widow-Kritik kundgetan. Als Hellboy funktioniert er meiner Meinung nach überhaupt nicht. Er verkörpert erneut lediglich einen schlecht gelaunten Sprücheklopfer und spielt die Rolle entsprechend stumpf herunter. Emotionale Zwischentöne oder zumindest etwas greifbares an seiner Figur lässt Harbour vollständig vermissen. Das Einzige, was man ihm zugutehalten kann, ist sein Make-up und Kostüm. Beides ist einwandfrei gelungen und gehört zu den wenigen Aspekten des Films, die tatsächlich funktionieren. 

Neben Harbour stehen Daniel Dea Kim als Ben und Sasha Lane als Alice eher verwirrend in der Szenerie herum, bleiben durchweg blass und verkörpern eigentlich nur langweilige Klischees aus der Mottenkiste. Die zweitgrößte Casting-Frechheit des Films geht allerdings auf das Konto von Ian McShane. McShane ist eigentlich ein Darsteller, dessen bloße Präsenz bereits eine Wucht sein kann, wie er unter anderem in den John Wick-Filmen eindrucksvoll bewiesen hat. Dieser Film hier weiß mit ihm als Hellboys Ziehvater Broom jedoch überhaupt nichts anzufangen und verdonnert ihn stattdessen dazu, anderen Figuren die Exposition an die Backe zu schwafeln. 

Das tatsächliche schauspielerische Schlusslicht gebührt aber schließlich Milla Jovovich, die die Hexe Nimue verkörpert. Keine Ahnung, wer diese Casting-Entscheidung für eine gute Idee hielt, aber wie wir bereits wissen, waren gute Ideen während dieser Produktion eher die Ausnahme. 

Zugegeben: Von ihr habe ich schon bei der Erstsichtung nichts anderes erwartet. Seit ich ihre gemeinsam mit ihrem Ehemann Paul W. S. Anderson entstandene, grauenhafte Resident Evil-Filmreihe gesehen habe, zähle ich sie zu den schlechtesten Schauspielern, die ich so kenne. Ein noch hölzerneres und emotionsloseres Schauspiel als von ihr muss man erst einmal finden. Hier verkörpert sie eine Antagonistin, die eher wie eine Karikatur wirkt. Jede Aktion, jede Reaktion und nahezu jede Bewegung überzeichnet sie dermaßen, dass ihre Darbietung unfreiwillig komische ist. Zusätzlich schmerzt ihre Line-Delivery, also die Art und Weise, wie sie ihre Dialoge verträgt, teilweise sehr beim Zuschauen.

 

Somit ist auf filmischer und erzählerischer Ebene nichts mehr zu retten, aber nicht Mal die Action macht in Hellboy wirklich Spaß. Generell gibt es erstaunlich wenig echte Actionszenen, doch die wenig vorhandenen sind mal wieder sehr ruppig inszeniert und teilweise extrem zerschnitten. Hinzu kommen sehr viele unfertige Computer-Effekte, die den ganzen Film noch künstlicher wirken lassen, als er ohnehin schon ist. 

Besonders frustrierend ist es auch hier wieder zu sehen, wie viele Effekte und Kreaturen tatsächlich praktisch umgesetzt wurden, nur damit sie anschließend mit hässlichen CGI-Effekten derart überkorrigiert werden, dass ein Großteil der geleisteten Arbeit wieder zunichtegemacht wird. Auch das ist ein Paradebeispiel für die widersprüchlichen Visionen während der Produktion. 

Aber an guter und wuchtiger Action hatten die Produzenten scheinbar ohnehin kein wirkliches Interesse. Bereits bei meiner Erstsichtung hatte ich vielmehr das Gefühl, dass man krampfhaft den Spuren von Deadpool folgen wollte, jenen Film, der R-Rated-Comicverfilmungen endgültig massentauglich gemacht hat. Neben einer Flut an Schimpfwörtern bedeutet das hier vor allem, die Action mit möglichst viel Blut und Gewalt anzureichern. Das Ergebnis ist jedoch Gewalt als reiner Selbstzweck. Sie wird nicht eingesetzt, weil sie der Geschichte dient oder der Atmosphäre zugutekommt, sondern ausschließlich weil man sie zeigen kann. Besonders deutlich wird das in einer längeren Sequenz gegen Ende des Films, in der die Gewaltdarstellung so extrem hochgeschraubt wird, dass der selbstzweckhafte Charakter kaum noch zu übersehen ist.

(Anmerkung: Über Gewalt in Filmen kann man definitiv streiten. Ich bin niemand, der grundsätzlich ein Problem damit hat. Künstlerische Freiheit gilt nach wie vor, und in manchen Fällen kann Gewalt das Geschehen realistisch wirken lassen oder Atmosphäre und Spannung zusätzlich verstärken. Was ich persönlich jedoch nicht brauche, sind exzessive Gewaltdarstellungen, die ausschließlich deshalb so explizit sind, damit man es später im Marketing als Verkaufsargument ausschlachten kann.)

 

 

Die Konsequenzen dieser fragwürdigen Produktion bekam Lionsgate am Ende des Tages selbst zu spüren. Nicht nur, dass viele Fans dem Projekt bereits bei Ankündigung eines Reboots den Rücken kehrten, auch Kritiker und potenziell neue Fans konnten kaum für den Film begeistern werden und zerrissen ihn nach seinem Erscheinen regelrecht in der Luft. Entsprechend ließ sich damit auch kein Geld verdienen, was Lionsgate gleich zu Beginn des Jahres 2019 einen saftigen Box-Office-Flop von schätzungsweise 40 - 60 Mio. $ bescherte.

Ob der Film mit klarerer Vision und ohne ständige Eingriffe von Studio und Produzenten besser geworden wäre, lässt sich natürlich nicht mit Sicherheit sagen. Ich persönlich denke aber, dass er zumindest durchschnittlich geworden wäre, da ich Neil Marshall ohnehin nicht für einen besonders guten und zudem deutlich überbewerteten Regisseur halte.

Wer trotzdem einen Blick wagen möchte, den halte ich natürlich nicht davon ab. Als unfreiwillige Trash-Granate lässt sich dieses Chaos durchaus unterhaltsam finden, und selbst wenn man den Film völlig unironisch mag, ist das natürlich auch vollkommen in Ordnung. Geschmäcker sind schließlich zum Glück verschieden.😊

Für mich bleibt dieser Hellboy jedoch einer der miesesten Blockbuster der letzten zehn Jahre und ist letztlich völlig zurecht gefloppt und gescheitert.

Punkte (1,5/10)


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