Hellboy: The Crooked Man

Veröffentlicht am 16. Juli 2026 um 16:53

Aus lizenzrechtlicher Sicht ist Hellboy: The Crooked Man als direkte Konsequenz auf das Scheitern des Reboots von 2019 zu betrachten. 

Nach dessen desaströsen Einspielergebnissen war schnell klar, dass eine weitere Blockbuster-Adaption der Hellboy-Lizenz in naher Zukunft erstmal nicht infrage kommen würde. Entsprechend suchten die Rechteinhaber nach einem neuen Ansatz, der dieses Mal auf deutlich kleinerer Flamme köcheln sollte. Gemeinsam mit Hellboy-Schöpfer Mike Mignola höchstpersönlich, der zudem auch am Drehbuch beteiligt war, wollte man einen Film schaffen, der sich mehr an den Comics orientiert und die Horrorelemente der Vorlage stärker in den Fokus rückt.

Herausgekommen ist aber ein weiterer derart qualitätsloser Film, dass die Reihe auch weiterhin in der filmischen Hölle festsitzt! 

 

 

Worum geht's?:

Über Umwege gerät Hellboy in die düsteren Wälder von Appalachia, wo ein unheimlicher Hexenmeister, der sogenannte Crooked Man, die Bewohner mit alten Flüchen und finsteren Ritualen terrorisiert. Während Hellboy versucht, die übernatürliche Bedrohung aufzuhalten, wird er zugleich mit der Frage konfrontiert, wie sehr ihn seine eigene Herkunft an die Welt der Monster bindet.

 

 

Aber die wichtigste Frage möchte ich direkt zu Beginn klären: Dieser Film ist tatsächlich (minimal) besser als das grauenhafte Reboot von 2019. Zwar nehmen sich beide punktetechnisch nicht viel, doch in meiner Wahrnehmung ist The Crooked Man dennoch der überlegenere Film. 

Das liegt zu meiner großen Überraschung, an Hellboy selbst. Für diesen Film schlüpft Jack Kesy in die Rolle des titelgebenden Dämonenjägers. Zwar ist Kesy definitiv kein herausragender Schauspieler und abgesehen von einer kleinen Nebenrolle in Deadpool 2 war er mir vorher kaum bekannt, dennoch muss ich ihm zugutehalten, dass er die Figur überzeugend verkörpert.

Sowohl in den actionreicheren als auch in den ruhigeren, charakterbezogenen Momenten konnte ich ihm die Rolle durchaus abnehmen. Leider sieht sein Make-up dafür ziemlich billig aus. Im Grunde hat man ihn lediglich rot angemalt und ein paar Plastikaccessoires angeklebt. Das ist allerdings ein Problem, das sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht. 

 

Man merkt deutlich, dass es hier an allen Ecken und Ende an Budget gefehlt hat. Dadurch wirkt der gesamte Film wie ein Fanprojekt, das über Kickstarter finanziert wurde. Die Kulissen sehen künstlich aus, die Lichtsetzung ist nahezu nicht vorhanden und die visuellen Effekte sind regelrecht unfertig, auch wenn nicht viel mit CGI-Effekten gearbeitet wurde. Große Locations oder aufwendige Außendrehs sucht man zudem vergebens oder werden stattdessen durch nervigen, hässlichen Nebel verdeckt. 

Abgesehen von Jack Kesy bewegt sich die übrige Besetzung nicht gerade auf hohem Niveau. Adeline Rudolph funktioniert als unerfahrene Agentin an Hellboys Seite noch ganz solide, auch wenn ihre schauspielerische Leistung häufig sehr limitiert ist. Was Jefferson White dagegen abliefert, ist mir ein absolutes Rätsel. Er überzeichnet praktisch alles: Seine Bewegungen, seine Line-Delivery, und sogar seine Mimik. Ihm zuzusehen wurde auf Dauer wirklich anstrengend.

Auch der im titelgebende Crooked Man hinterlässt kaum einen bleibenden Eindruck. Zwar hat die Figur ein paar bedrohliche Momente, die vereinzelt durchaus funktionieren, insgesamt wirkt er als Antagonist jedoch äußerst austauschbar. 

 

Doch woran Hellboy: The Crooked Man letztlich wirklich scheitert, sind die unnötig verwirrende, zusammenhangslose Geschichte und die miserable Regie von Brain Taylor.

Über weite Strecken hatte ich schlichtweg keinen blassen Schimmer, was in diesem Film überhaupt vor sich geht, da vieles einfach keinen Sinn ergeben möchte. Der Handlungsverlauf besteht aus einer Aneinanderreihung von Szenen, die kaum mit einander harmonieren, während Figuren Dialoge aufsagen müssen, die inhaltsleerer kaum sein könnten. Hinzu kommt, dass oft nicht einmal klar ersichtlich wird, worauf die Geschichte eigentlich hinauswill. Da der Film aber zudem größtenteils unglaublich dunkel ist, erkennt man die meiste Zeit ohnehin nichts, was gerade auf dem Bildschirm passiert. 

Als wäre das nicht schon genug, sitzt mit Brian Taylor auch noch jemand auf dem Regiestuhl, den ich schlicht und einfach für ungeeignet halte. Taylor, der gemeinsam mit seinem langjährigen Regiepartner Mark Neveldine bekannt wurde, zählt für mich zu den schlechtesten Regisseuren überhaupt und besitzt eine Filmografie, die zum Davonlaufen ist. Zwar ist sein Ausflug ins Hellboy-Universum deutlich besser als seinen schlimmsten Machwerke wie Crank 2 oder Gamer, doch auch hier sich noch genug seiner altbekannten Schwächen allgegenwärtig.

Atmosphärische Szenen zu inszenieren scheint ihm vollkommen fremd zu sein. Seine bekannten und oft sehr nervigen Kameraspielereien dürfen natürlich auch hier nicht fehlen, nachvollziehbare Actionsequenzen gehörten ohnehin nie zu seinen Stärken, und der unerträglich hektische Schnitt trägt ebenfalls unverkennbar seine Handschrift. Dass es darüber hinaus generell keine besonders gute Idee ist, Taylor zusätzlich noch am Drehbuch mitschreiben zu lassen, haben die oben genannten Machwerke von ihm mehr als deutlich bewiesen.  

 

 

Hellboy: The Crooked Man hat leider, außer einen halbwegs funktionierenden Hellboy, kaum nennenswerte Qualitäten zu bieten. Tatsächlich finde ich das sogar tragischer als beim fehlgeleiteten Call of Darkness, da der Horroransatz für diese Reihe eigentlich ein ziemlich guter ist. 

Wenn man Hardcore Hellboy-Fan ist und den gleichnamigen Comic kennt und schätzt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass man diesem Film etwas mehr abgewinnen kann. Oder eben auch genau deshalb noch weniger abgewinnen kann. 

Das Einzige, worauf man als Film-Fan jetzt hoffen kann, ist, dass die Marke Hellboy irgendwann wieder in fähige Hände gelangt und wir endlich wieder eine brauchbare Verfilmung erhalten.

... (Und kann endlich jemand Brian Taylor Regieverbot erteilen?, Bitte!)

Punkte (2/10) 


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