Train Dreams

Veröffentlicht am 31. Juli 2026 um 10:31

Da habe ich mich erst in meiner Fear Street-Kritik lang und breit über Netflix und seine oft unoriginellen Inhalte beschwert, und plötzlich sehe ich auf derselben Plattform das exakte Gegenteil davon.

Train Dreams hat mich schwer beeindruckt, berührt und begeistert. Ein unglaublich schöner Film, der für mich sogar zu den besten Eigenproduktionen gehört, die Netflix bisher veröffentlicht hat. (Wie gesagt; Das exakte Gegenteil zu Fear Street 😉).

 

 

Worum geht´s?

Der Holzfäller Robert Grainier führt ein einfaches, von Stille geprägtes Leben. Vor dem Hintergrund der gewaltigen Umbrüche im Amerika des frühen 20. Jahrhunderts erlebt er Liebe, Verlust und Trauer und versucht dabei, seinen Platz in einer Welt zu finden, die sich unaufhaltsam verändert.

 

 

Train Dreams stellt zwar eine Liebesgeschichte in den Mittelpunkt, handelt aber genauso vom Lauf der Zeit und davon, wie sich Menschen und ihre Umgebung über die Jahre hinweg verändern. Besonders gefallen hat mir die ruhige, fast melancholische Art, mit der diese Geschichte erzählt wird.

Die Liebesgeschichte wird dabei sehr menschlich, nahbar und vor allem spürbar erzählt und hebt sich stark von dem üblichen Hollywood-Schema mit überzogenen Gefühlsausbrüchen und kitschigen Klischees ab. Stattdessen setzt der Film auf leise Momente und echte Emotionen. Mindestens genauso wichtig ist darüber hinaus die Darstellung des tiefgreifenden Zeitenwandels. In beinahe verschwenderisch schönen Bildern zeichnet der Film die Veränderungen einer ganzen Epoche nach aus der Perspektive eines stillen und introvertierten Mannes, der als Holzfäller durch die amerikanischen Wälder zieht.

All diese Elemente greifen stimmig ineinander und schaffen eine kleine berührende Zeitreise, die das Schicksal eines einzelnen Menschen mit großer Emotionalität erzählt. Bis zum großartigen Finale entfaltet der Film eine beeindruckende Wirkung, die den Zuschauer tief berührt und kaum ein Auge trocken lässt.

 

Getragen wird der Film vor allem von Joel Edgerton, den ich ohnehin für einen viel zu unterschätzten Schauspieler halte. Mit bewundernswerter Hingabe verkörpert er den Protagonisten als einen sehr ruhigen und introvertierten Menschen. Allein durch seine Mimik und seine ausdrucksstarken Blicke vermittelt er die Emotionen seiner Figur und verleiht ihr dadurch eine bemerkenswerte realistische Tiefe. An seiner Seite überzeugt die bezaubernde Felicity Jones, die erneut eine fabelhafte Leistung abgibt. Auch William H. Macy weiß in einer starken Nebenrolle zu begeistern.

Für mich ist die größte Stärke des Films jedoch seine Bildsprache beziehungsweise die Kameraarbeit. Mit großer Feinheit und Präzision fängt die Kamera atemberaubende Landschaftsaufnahmen ein und erschafft dabei immer wieder beeindruckende Bildkompositionen. Gleichzeitig verzichtet der Film fast vollständig auf hektische Kamerabewegungen oder schnelle Schwenks, wodurch die ruhige Atmosphäre der Geschichte perfekt unterstreichen wird.

 

Das Einzige, was man Train Dreams wirklich anlasten kann, ist das Voice-over, das die Geschichte stellenweise zusätzlich kommentiert. Ehrlich gesagt hätte es diese nicht unbedingt gebraucht, denn die Bilder sprechen bereits genug für sich. Allerdings gewöhnt man sich im Laufe des Films daran, sodass es irgendwann kaum noch stört.

Außerdem hat der Film gegen Ende eine kleine Durststrecke. Nichts, was den Gesamteindruck ernsthaft schmälert, aber es ist mir dennoch leicht negativ aufgefallen.

 

 

Ansonsten ist Train Dreams ein wundervoller kleiner Film, den man definitiv gesehen haben sollte.

Ein Film, den man nicht einfach nur anschaut, sondern erlebt... Und das ist vermutlich das größte Kompliment, das ich einem Netflix-Film jemals gegeben habe.

Punkte (9,5/10)


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