Es ist kaum in Wort zu fassen, wie sehr ich Gore Verbinski auf dem Regiestuhl vermisst habe!
Ich schätze diesen Mann, seine Filmografie und vor allem seine visuelle Handschrift enorm. Von seiner fantastischen Fluch der Karibik-Reihe (und damit meine ich ausschließlich die ersten drei Teile, bei denen er auch Regie geführt hat. Teil 4 und vor allem Teil 5 lassen wir lieber außen vor) über das großartige The Ring-Remake bis hin zum wunderbar unterhaltsamen Animationsfilm Rango hat Verbinski für mich immer abgeliefert... Ja gut, von The Lone Ranger vielleicht einmal abgesehen.
Mit Good Luck, Have Fun, Don't Die kehrt er nun nach beinahe zehn Jahren endlich wieder auf den Regiestuhl zurück. Diesmal mit einer Satire über unser digitales Leben, künstliche Intelligenz, Social Media und die Auswirkungen, die all das auf unsere Gesellschaft hat. Und meiner Meinung nach geht sein Vorhaben größtenteils ziemlich gut auf, auch wenn nicht alles gleich gut funktioniert.
Worum geht´s?
Ein „Mann aus der Zukunft“ taucht in einem Diner in Los Angeles auf. Dort muss er genau die richtige Gruppe unzufriedener Gäste zusammenbringen, um sie auf eine nächtliche Mission mitzunehmen. Ihr Ziel: Die Welt vor der existenziellen Bedrohung durch eine außer Kontrolle geratene künstliche Intelligenz retten.
Die Geschichte klingt dabei genauso skurril, wie sie letztendlich auch ist. Erzählt wird sie über eine große Hauptgeschichte, die immer wieder von kleineren Nebengeschichten unterbrochen wird. Das muss man natürlich mögen. Auch ich muss zugeben, dass es dem Film nicht vollständig gelingt, diese Erzählstruktur zu einer wirklich homogenen Einheit zu verbinden.
Ganz allgemein hatte ich aber mit Good Luck, Have Fun, Dont Die eine Menge Spaß.
Am Ende ist ein sehr unterhaltsamer, kreativer und tatsächlich auch überraschend witziger Science-Fiction-Film dabei herausgekommen, der sich auf angenehm bissige Weise über unsere digitale Welt lustig macht. Der Humor sitzt oft erstaunlich gut, auch wenn einem das Lachen an manchen Stellen durchaus im Hals stecken bleibt. Zusammen mit einem sehr spielfreudigen und wie immer großartigen Sam Rockwell als Protagonisten macht der Film über weite Strecken einfach richtig Laune.
Neben Sam Rockwell sind außerdem Michael Peña, Zazie Beetz, Juno Temple und Haley Lu Richardson mit an Bord. Leider schafft es niemand von ihnen wirklich hervorzustechen. Gleichzeitig spielt aber auch niemand seine Rolle schlecht. Es ist insgesamt ein solider Cast, bei dem letztlich aber nur Rockwell nennenswert heraussticht.
Dabei kann man durchgehend Gore Verbinskis visuelle Präzision und seinen enormen Einfallsreichtum bewundern. Er ist schließlich nicht ohne Grund für seine kreativen Kameraideen bekannt. Seine größte Stärke liegt für mich aber weiterhin in der visuellen Gestaltung seiner Filme. Ich kenne nur wenige Regisseure, die genau wissen, wann und wie digitale Effekte sinnvoll eingesetzt werden sollten, und Verbinski gehört definitiv dazu.
Besonderes Lob verdient dabei das Budget: Der Film soll gerade einmal rund 20 Mio. $ gekostet haben. Für heutige Verhältnisse ist das vergleichsweise wenig, dennoch sieht er durchgehend besser aus als so mancher Blockbuster, der das Zehnfache verschlingt.
So viel Spaß ich mit dem Film auch hatte und so sehr ich ihn allein für seinen visuellen Stil mögen möchte, komme ich nicht darüber hinweg, dass er mit 134 Minuten spürbar zu lang geraten ist. Das liegt (vermutlich) an der episodenhaften Struktur, die die Handlung stellenweise unnötig in die Länge zieht.
Auch funktioniert nicht jede Aussage/Kritik, die in den jeweiligen Episoden angesprochen werden, was dem unterhaltungswert zusätzlich etwas trübt. Dazu passt dann auch, dass das Drehbuch es auch nicht lassen kann einige Punkte dem Zuschauer sehr unter die Nase zu reiben oder die Aussage ist etwas zu drüber, was den Film an manchen Stellen etwas plump wirken lässt.
Hinzu kommt, dass nicht jede Aussage oder Kritik, die in den einzelnen Episoden angesprochen wird, gleichermaßen gut funktioniert, was den Unterhaltungswert hier und da etwas trübt. Außerdem kann das Drehbuch nicht widerstehen, einige Botschaften oder Aussagen dem Zuschauer sehr deutlich unter die Nase zu reiben. Manche Aussagen wirken dadurch etwas zu plakativ oder überzogen, was den Film stellenweise etwas plump wirken lässt.
Wer sich jedoch auf eine angenehm fiese Satire einlassen kann und generell etwas mit unkonventionelleren Filmen anfangen kann, dürfte mit Good Luck, Have Fun, Don't Die ähnlich viel Spaß haben wie ich. Man sollte allerdings keine besonders tiefgründige Gesellschaftskritik erwarten.
Punkte (8/10)
(Und können wir mal darüber sprechen, wie cool der Filmtitel ist?)
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