Da stellt sich doch glatt heraus, dass im Jahre 2014 nicht nur ein Versuch gestartet wurde, Hercules auf die große Leinwand zu werfen. Neben Renny Harlins unterirdischem The Legend of Hercules dachte sich auch Regisseur Brett Ratner, die Zuschauer im selben Jahr mit seiner eigenen Version von Hercules zu quälen.
Und damit ich dieses Jahr auch die vollständige 2014er-Hercules-Erfahrung erleben kann, habe ich mir auch Ratners Beitrag zur Gemüte geführt. Und ich habe genau das bekommen, was ich im Vorfeld auch erwartet habe: Einen ziemlich belanglosen Fantasy-Blockbuster, nach dem genauso wie nach Harlins Machwerk, niemand gefragt hat.
Warum dieser Hercules trotz der Anwesenheit von Ratner und Dwayne Johnson im Direktvergleich besser ist als die andere Verfilmung und trotzdem nur unterdurchschnittlicher Quatsch dabei herausgekommen ist, werde ich in der folgenden Kritik näher erläutern.
Worum geht´s?
Der Film erzählt die Geschichte des Hercules, nachdem er seine legendären zwölf Aufgaben bewältigt hat. Hercules zeiht mit einer Gruppe treuer Krieger als Söldner durch das Land. Als der König von Thrakien seine Hilfe im Kampf gegen einen mächtigen Feind erbittet, nimmt Hercules den Auftrag an. Doch schon bald wird er in einen Konflikt verwickelt, der seine Stärke, seinen Mut und seinen Ruf als Legende auf die Probe stellt.
Basierend auf einer Graphic Novel namens Hercules: The Thracian Wars wollte man die Figur aus einem etwas anderem Blickwinkel betrachten, eingebettet in ein Korsett eines modernen Fantasy-Action-Spektakel. Ob das so stimmt, kann ich allerdings nicht mehr genau sagen, denn ich muss hier ehrlich zugegeben, dass ich mich an viele Handlungsstationen schon gar nicht mehr erinnern kann. Der Film ist mir schlicht und einfach kaum im Gedächtnis geblieben, was generell immer ein schlechtes Zeichen ist.
Dabei mochte ich tatsächlich den Ansatz, wie sie Hercules erzählen wollten. Anstatt ihn als unantastbaren Mythos oder makellosen Helden zu inszenieren, hinterfragt der Film die Legenden rund um die Figur und versucht, ihr durch einige Ecken und Kanten mehr Menschlichkeit zu verleihen. Ebenfalls wird mit dem Gedanken gespielt, wie viel Wahrheit in den Geschichten des Hercules steckt. Leider hatten die Drehbuchautoren keinerlei Ahnung, wie sie das vernünftig erzählen wollten. Zusätzlich wurde mit Dwayne "The Rock" Johnson die völlig falsche Person für genau diese Interpretation gecastet.
Der eigentlich interessante Gedanke verkommt schon sehr schnell zu einer verschenkten Nummer. Stattdessen wird nur das Offensichtliche zeigt und der Rest ausschließlich aufgesagt, um mehr Platz für die Action und einer Geschichte zuschaffen, die im Grunde gar keine ist. Dadurch entsteht ein ziemliches Ungleichgeweicht innerhalb der Figur, was wiederum dazu führt, dass Hercules für den Zuschauer kaum greifbar ist.
Und dann hat man in der Hauptrolle eben einen Dwayne Johnson, und das muss man so deutlich sagen, der einfach nicht der richtige Mann für tiefgreifendere, menschlichere Rollen ist. Johnson macht das, was er am besten kann: Leuten auf die Nase hauen und dabei einen flapsigen Spruch nach dem andren abfeuern, so, als wäre er nach wie vor im Wresling-Ring. An den interessanteren Aspekten seiner Figur scheint er schlicht kein Interesse zu haben, zumindest wirkt es so.
So hat man am Ende auf dem Papier einen spannenden Ansatz, der nicht aufgeht, weil das Drehbuch nicht weiß, was es damit anfangen soll, und einen Hauptdarsteller, der gefühlt ohnehin kein Interesse daran hat.
Tja, und viel bleibt dann eben auch nicht übrig. Die Geschichte ist, wie bereits mehrfach angedeutet, irrelevant, vorhersehbar und wirklich sterbenslangweilig. Dass Hercules auch die einzig erwähnenswerte Figur bleibt, ist schon tragisch, wenn man Leute wie Ian McShane, John Hurt oder Rebecca Ferguson im Cast hat, die aber schlicht keinen Raum bekommen. Dass Regisseur Brett Ratner den gesamten Film auch derart stumpf herunterfilmt, hilft ebenfalls nicht sonderlich. Stattdessen darf sein Hang, weibliche Figuren einmal mehr fast ausschließlich auf hübsches Beiwerk zu reduzieren, natürlich nicht fehlen, was angesichts seiner bisherigen Filmografie leider wenig überrascht.
Das Einzige, was man aber noch lobend erwähnen kann, sind die Action-Sequenzen. Anders als in The Legend of Hercules ist die Action hier wirklich in Ordnung. Zwar ruinieren einige echt hässliche Effekte den Spaß daran, aber zumindest ist die Action übersichtlich gestaltet, nur selten verwackelt und tatsächlich auch ordentlich wuchtig inszeniert. Auch sind die Kostüme durchaus ansehnlich und schön gestaltet, was man von den meisten Kulissen leider nicht behaupten kann.
Aber es bleibt am Ende trotzdem ein erstaunlich langweiliger Fantasy-Blockbuster, der ohne jegliche Besonderheiten vor sich hin dudelt. Selbst im Vergleich zu ähnlichen Fantasy-Blockbuster dieser Zeit wie Jack and the Giant oder meinem persönlichen Guilty Pleasure Spaß Zorn der Titanen ist Hercules kaum zu gebrauchen.
Nicht, dass ich etwas anderes von einem Brett Ratner-Film erwartet hätte, dessen Name bei mir ohnehin sämtliche Alarmglocken läuten lässt. Unabhängig von seiner Filmografie, der ich generell nicht viel abgewinnen kann, ist Ratner seit Jahren ein äußerst umstrittener Regisseur. Nach mehreren Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens und anderen Kontroversen verschwand er weitgehend aus Hollywood, bevor er ausgerechnet dieses Jahr mit einer dokumentarischen Selbstbeweihräucherung über Melania Trump zurückkehrte. Ein Blick auf die Kritiker- und Zuschauerwertungen sowie die Einspielergebnisse dieser Dokumentation legt allerdings nahe, dass sich dieses Comeback weder für Ratner noch für Amazon besonders ausgezahlt hat.
Nur wenn man wirklich großer Fantasy- und/oder Dwayne Johnson-Fan ist, wird man hiermit sicherlich auch seinen Spaß finden. Verpassen wird man allerdings auch nichts.
Punkte (4/10)
Bonus: Exkurs "Zwillingsfilme"
Um es nicht unerwähnt zu lassen, möchte ich kurz erklären, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass im selben Jahr sehr identische Filme erscheinen können. Dabei handelt es sich nicht einmal um etwas Außergewöhnliches, sondern um ein gängiges Phänomen, das in der Filmwelt alle Jahre mal vorkommen kann.
Das Phänomen heißt Zwillingsfilms und bezeichnet Filme, die nahezu zeitgleich erscheinen und eine sehr ähnliche Grundidee, Handlung, Thematik oder Hauptfigur aufgreifen. Die Ursachen reichen von purem Zufall, wenn Studios tatsächlich dieselbe Idee haben oder über die gleichzeitige Nutzung derselben historischen Ereignisse, Bücher oder anderen Vorlagen zurückgreifen bis hin zum direkten Wettbewerb zwischen Studios, die bei vielversprechenden Konzepten ähnliche Produktionen in Auftrag geben. Häufig entstehen Zwillingsfilme auch dadurch, dass Drehbücher, Ideen oder Pitches innerhalb von Studios zirkulieren. Lehnt ein Studio ein Drehbuch ab, kann es die zugrunde liegende Idee dennoch interessant genug finden und ein eigenes Projekt mit ähnlicher Prämisse entwickeln, während ein anderes Studio das ursprüngliche Drehbuch produziert.
Beispiele für Zwillingsfilme sind unter anderem Dante’s Peak und Volcano, die beide 1997 erschienen sind und sich mit Vulkanausbrüchen beschäftigen. Im Jahr 2013 kamen mit Olympus Has Fallen und White House Down zwei Actionfilme in die Kinos, die Terroranschläge auf das Weiße Haus in den Mittelpunkt stellen. 2022 erschienen zudem gleich zwei Verfilmungen von Pinocchio.
Die wohl bekannteste Zwillingsfilm-Paare stammen lustigerweise aus dem selben Jahr 1998: Zum einen erzählen Armageddon und Deep Impact beide von einem Asteroiden, der die Menschheit zu pulverisieren droht. Zum anderen sind die meiner Meinung nach skurrilsten Vertreter dieses Phänomens Pixars Das große Krabbeln und DreamWorks’ Antz, die beide animierte Ameisen über die Leinwand krabbeln ließen.
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