Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Veröffentlicht am 19. August 2026 um 12:05

Über das Marvel Cinematic Universe zu sprechen wird einfach nicht alt, auch wenn man meiner Meinung nach über eine Menge Mittelmaß sprechen muss. Die spannendsten Gespräche entstehen meist über die größten Höhen und die tiefsten Tiefen des Franchise. Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings gehört für mich jedoch zu keiner dieser Kategorien.

Der Film ist weder besonders schlecht noch besonders gut. Stattdessen bewegt er sich in einem seltsamen Niemandsland der Belanglosigkeit. Nach dem Abspann blieb bei mir vor allem Ratlosigkeit zurück, was umso enttäuschender ist, da die überwiegend positiven Kritiken im Vorfeld durchaus Erwartungen geweckt hatten.

 

 

Worum geht´s?

Shang-Chi hat seine Vergangenheit hinter sich gelassen und führt ein unauffälliges Leben in San Francisco. Doch als ihn die Geheimnisse seiner Familie einholen, wird er in eine Welt aus uralten Legenden, mächtigen Gegnern und mystischen Kräften hineingezogen. Um seine Zukunft zu bestimmen, muss er sich seiner Vergangenheit stellen.

 

 

Das allgemeine Problem, warum Shang-Chi bei mir so wenig ausgelöst hat, ist wie so oft im MCU die Story selbst. Es ist wieder einmal das klassische Abklappern sämtlicher Origin-Story-Klischees, die wir nun schon über einem Jahrzehnt über uns ergehen lassen. Wenige Story-Entscheidungen sind mutig, kaum eine Entwicklung überraschend, und das Ende für unseren Helden steht im Grunde schon fest, bevor man überhaupt auf "Play" gedrückt hat. Der Film ist so sehr nach Schema F geschrieben, dass man die Handlung beinahe mitsprechen könnte.

Zwar blitzen hier und da durchaus gelungene Charaktermomente auf, die teilweise sogar interessant sind, doch einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt kaum einer davon. Dadurch blieb mir die Handlung über weite Strecken erstaunlich egal, und ganze Handlungsstränge rauschten an mir vorbei, ohne wirklich etwas auszulösen.

Gut, man kann mich jetzt natürlich fragen, was ich überhaupt erwartet habe, und die Antwort wäre auch wenig überraschend: "Genau Das!"  Für mich ist das aber keine Entschuldigung dafür, dass es unbedingt wieder derart standardisiert sein muss, ohne nennenswerte Besonderheiten zu bieten. 

 

Wobei so einfach möchte ich es mir aber auch nicht machen. Trotz aller Vorhersehbarkeit wird der Film von zwei Aspekten massiv gerettet. Zum einen wäre da der Bösewicht Wenwu, gespielt von Tony Leung, der zu meiner großen Überraschung einer der besten bzw. nahbarsten MCU-Antagonisten überhaupt ist. Er ist dabei nicht einfach nur böse und will die Erde vernichten, sondern zeigt sich erstaunlich vielschichtig. Seine Motivation ist für den Zuschauer spürbar und nachvollziehbar, da sie aus tiefer Trauer entsteht. Auch wenn später noch eine zusätzliche Komponente hinzukommt, bleibt sein Handeln stets verständlich, was bis zum Ende hin hervorragend funktioniert.

Dazu ist Tony Leung schlicht und einfach ein schauspielerisches Brett, das seiner Figur allein durch Mimik, Gestik und kleine unscheinbare Bewegungen unglaublich viel Persönlichkeit verleiht. Dazu ist seine Präsenz über den gesamten Film hinweg enorm stark.  Leider sehen neben ihm alle anderen Darsteller ziemlich alt aus. Simu Liu, der hier die Hauptfigur verkörpert, ist keineswegs fehlbesetzt und macht seine Sache weitestgehend ordentlich, wird aber von Leungs Performance regelrecht an die Wand gespielt. Gleiches gilt für Awkwafina, Florian Munteanu oder auch einer Michelle Yeoh, die entweder etwas verbraten werden oder im Falle von Awkwafina, größtenteils als Comic Relief dienen müssen. Abgesehen von eine Figur, die ich an dieser Stelle nicht spoilern möchte, hat mich aber immerhin niemand wirklich genervt. 

 

Der zweite Punkt, bei dem Shang-Chi mit vielen anderen Marvel-Filmen den Boden aufwischt, ist die großartig choreografierte Action. Gerade in der ersten Filmhälfte bekommt man Action-Einlagen geboten, die für Marvel-Verhältnisse angenehm übersichtlich inszeniert sind, ohne ständig alles kaputt schneiden zu müssen. Vieles davon wird in Totalen gefilmt, man weiß jederzeit, wo Helden und Schurken stehen, und verliert selbst in wildesten Momenten nie vollständig den Überblick. Was man an der Action ebenfalls loben muss, ist die Art und Weise, wie die Schauplätze aktiv ins Kampfgeschehen eingebunden werden. Orte dienen hier nicht nur bloße Kulisse, sondern werden Teil der Action. (Man denke an die Bus- oder Gerüstsequenz).

Bei Marvel, aber auch bei vielen anderen Comicverfilmungen, ist es leider häufiger so, dass große Schlachten häufig auf völlig menschenleeren oder generischen, flachen Schauplätzen stattfinden. Spannung, Dynamik, echte Stacks oder sowas unwichtiges wie Spaß lassen sich dort oft nur mit der Lupe suchen. Bei Shang-Chi ist das glücklicherweise nicht der Fall. Hier ist die Action tatsächlich spannend, was nicht nur an der Inszenierung liegt, sondern auch daran, dass unser Held zu Beginn noch nicht jede Situation mühelos lösen kann. Von so etwas kann Captain Marvel nur träumen!

 

Leider hat die Action auch ein ganz großes Problem, und ich meine damit nicht, dass einige Kämpfe vielleicht etwas zu überchoreografiert sind. Das eigentliche Problem zieht sich durch den gesamten Film und reicht weit über die Action hinaus: Und zwar grauenerregende Computereffekte.

Im Grunde haben die Effekte hier exakt dasselbe Problem wie schon bei Black Widow. Gleich zu Beginn des Films wird man mit  himmelschreiend schlechten Effekten konfrontiert, die gefühlt immer schlimmer werden, je länger der Film läuft. Die bereits erwähnte Actionsequenz im Bus leidet besonders darunter, wenn sich ein computergenerierter Bus durch eine vollständig digitalen Umgebung bewegt und dabei sämtliche physikalischen Gesetzmäßigkeiten ignoriert. Die Künstlichkeit dieser Szene ist dabei jederzeit deutlich zu erkennen. 

Auch sind Greenscreens im Hintergrund wieder auffallend sichtbar. Gerade Szenen, in denen Figuren in Autos sitzen, fallen hier überdeutlich negativ auf. Die Lichtsetzung ist teilweise wieder völlig kaputt, bei dem alles komplett überstrahlt ist, und am Ende muss Marvel wieder Marvel-Ding machen und schlecht animierte CGI-Monster gegeneinander antreten lassen, die sich gegenseitig ihre Pixel um die Ohren hauen.

Ich weiß nicht, woran es liegt und warum die Effektqualität im MCU seit Avengers: Endgame derart den Bach runtergeht, aber ich finde diese Entwicklung hoch alarmierend. Natürlich hat Shang-Chi auch wieder rund 200 Mio. $ gekostet, was die ganze Sache nur noch frustrierender macht.

 

 

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings war für mich letzlich ein echtes Wechselbad der Gefühle. Immer dann, wenn der Antagonist im Fokus stand oder es endlich wieder gutes Hand-to-Hand Combat zu sehen ab, war ich begeistert. Die Story hingegen konnte mir nicht eine müde Gesichtsregung entlocken, und über die katastrophalen Effekte habe ich mich durchgehend nur geärgert.

Zumindest ist dieser Film, im Gegensatz zu Black Widow, nicht völlig zerschnitten, und Regisseur Destin Daniel Cretton versteht es durchaus, die Kamera sowohl in Actionpassagen als auch in ruhigen, dialoglastigen Momenten sinnvoll zu platzieren.

Für mich ging das Endergebnis leider nicht vollständig auf. Wer grundsätzlich aber Fan des MCUs ist, dürfte hiermit dennoch eine Menge Spaß haben. 

Punkte (6,5/10)


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