Wenn man sich auf dieser Welt auf eines verlassen kann, dann sind es meine allzeit beliebten Freunde der Streaming-Anbieter!
Gerade wenn man absoluten Schrott sucht, wird man nirgendwo besser fündig als als auf dem Streaming-Dienst seiner Wahl. Da ich ein folgsamer Kunde bin und meine Mitleser auf diesem Blog vor einer möglichen Fehlentscheidung warnen... Ähhh, ich meinte natürlich... die Entscheidung abnehmen möchte, stelle ich euch in diesem Beitrag Amazons KI-Meisterwerk Mercy vor. Ein Film, der nicht einfach nur schlecht, sondern ein filmischer Totalausfall ist und damit hervorragend für einen unspaßigen Sonntagnachmittag geeignet ist.
Worum geht´s?
In einer nahen Zukunft entscheidet eine künstliche Intelligenz über Schuld und Unschuld. Als der Polizist Chris Raven des Mordes an seiner Frau beschuldigt wird, findet er sich plötzlich selbst auf der Anklagebank wieder. Die Beweise sprechen gegen ihn, doch das System gewährt jedem Angeklagten eine letzte Chance: 90 Minuten, um seine Unschuld zu beweisen. Gelingt ihm das nicht, wird das Urteil unmittelbar vollstreckt. Während die Zeit unerbittlich herunterzählt, beginnt für Chris ein verzweifelter Wettlauf gegen die Uhr, bei dem jede neue Spur über Leben und Tod entscheiden kann.
Aber mal Spaß beiseite! Mercy ist aus meiner Sicht ein komplettes Desaster geworden und mit weitem Abstand der aktuell schlechteste Film aus 2026, den ich bisher gesehen habe!
Schon im Vorfeld bahnte sich sehr eindeutig eine Katastrophe an. Nicht nur, weil Hauptdarsteller Chris Pratt bereits im Trailer wirkte als hätte er gar keinen Bock, anwesend zu sein, und die Prämisse selbst völlig bescheuert klang, sondern vielmehr wegen Produzent und Regisseur Timur Bekmambetow.
Timur ist nicht gerade für gutes Kino bekannt und hat meiner Meinung nach, abgesehen vom Action-Spaß Wanted, auch nur Mist fabriziert. Mittlerweile ist er hauptsächlich als Produzent tätig und versucht dabei seine Leidenschaft für ein ganz bestimmtes und wahnsinnig billiges Subgenre zu befriedigen: Das sogenannte Screenlife-Genre, eine Unterkategorie des Found-Footage-Genres.
Als Found-Footage werden Filme bezeichnet, die vorgeben, aus tatsächlich gefundenem oder aufgezeichnetem Filmmaterial zu bestehen. Die Kamera ist dabei Teil der Handlung und wird von Figuren innerhalb der Geschichte benutzt. Diese sind natürlich unglaublich billig zu produzieren und kommen zu 90% aus dem Horrorbereich. Blair Witch Project, REC° oder Paranormal Activity gehören wahrscheinlich zu den bekanntesten Vertretern dieses Genres.
Wenn man es aber noch billiger haben möchte, dann greift man zum Screenlife-Genre. Dabei wird die gesamte Handlung ausschließlich über digitale Bildschirme erzählt, wie einem Computer oder einem Smartphone... Das war´s! Beispiele hierfür sind Unknown User oder Searching. Und natürlich, nicht zu vergessen, die letztjährige Lachnummer mit integrierter Amazon-Schleichwerbung und Gewinner der Goldenen Himbeere in der Kategorie „Schlechtester Film“: War of the Worlds mit Ice Cube, der lustigerweise ebenfalls von Timur produziert wurde.
Warum erzähle ich das? - Ganz einfach!
Mercy ist der Versuch, dieses Genre als ernstzunehmenden und spannenden Hollywood-Blockbuster umzusetzen, mit einem 60 Mio. $ Budget, von dem wahrscheinlich bereits ein Viertel für Chris Pratt draufgegangen sind. Und dieses Vorhaben geht natürlich hinten und vorne überhaupt nicht auf.
Über weite Strecken schaut man einem enorm gelangweilten Chris Pratt dabei zu, wie er auf einem Stuhl sitzt und versucht, einen Möchtegern-elaborierten Kriminalfall zu lösen, der ein Plothole an den nächsten aneinanderreiht. Der Fall selbst ist bereits ab Werk ein konstruierter Berg an unendlichen Zufällen, bei dem man bloß nicht mitdenken darf, weil sonst sofort auffällt, wie wenig Sinn das alles eigentlich macht.
Mit zunehmender Laufzeit gewinnt der Schwachsinn aber vollständige Oberhand und man bekommt eine völlig abstrus konstruierte Auflösung serviert, bei der selbst die Verwirrung verwirrt ist. Das Ende samt actionreichem Finale setzt dem Blödsinn dann endgültig die Krone auf und wartet mit Effekten auf, die aussehen, als wären sie mit einem Taschenrechner gerendert worden.
(Achtung: leichte Spoiler für den folgenden Abschnitt!)
Dass der Film auf diesem Scherbenhaufen auch noch die Nerven besitzt, eine weitgehend unkritische Haltung gegenüber seinem KI-Thema einzunehmen, ist wohl sein größtes Kunststück. Die KI-Richterin wird als legitime, fast schon notwendige Maßnahme gegen Verbrechen und gesellschaftliche Missstände inszeniert. Am Ende reduziert der Film sein eigentlich wichtigstes Thema auf die denkbar einfachste Antwort: Menschen sind nicht perfekt und dürfen Fehler machen, also müsse das auch für Künstliche Intelligenz gelten. Eine kritische Einordnung seines zentralen Themas oder zumindest das Aufwerfen interessanter ethischer und gesellschaftlicher Fragen wird damit vollständig unter den Teppich gekehrt. Stattdessen ist der Film deutlich mehr daran interessiert, sein eigenes Konzept immer wieder zu rechtfertigen.
So oder so ähnlich muss es sich wohl auch Chris Pratt gedacht haben, als er das Drehbuch gelesen hat. Sein Schauspiel grenzt schon an Arbeitsverweigerung und der Quatsch ist ihm nicht eine müde Gesichtsregung wert. Immerhin kann man sagen, dass er hier nicht die zehnte schlechte Abwandlung von Star-Lord spielt, sondern einfach nur schlecht spielt. Was wiederum die eigentlich großartige Rebecca Ferguson in diesem Film verloren hat, ist mir ein Rätsel. Sie spielt die KI-Richterin Maddox zwar ebenfalls ohne Emotionen, was zumindest zur Rolle passt, aber man merkt trotzdem durchgehend, wie unterfordert sie ist. Und die restlichen Darsteller bewegen sich irgendwo zwischen "Schauspielschule abgebrochen" und "Kasperletheater".
Am Ende noch etwas Positives an Mercy zu finden, ist wirklich schwer. Für meinen Teil kann ich aber sagen, dass der Kriminalfall in der Mitte ganz kurz irgendwo doch unterhaltsam ist. Ansonsten ist der Film, in dem was er treibt, oft so unfreiwillig komisch, dass durchaus Spaß aufkommt. Man lacht dabei allerdings nicht mit dem Film, sondern über ihn... Ähnlich wie letztes Jahr bei War of the Worlds.
Die Amazon MGM Studios sind damit auf dem besten Weg, Netflix ernsthafte Konkurrenz im Rennen um die dämlichsten Beiträge der Streaming-Welt zu machen. Der größte Witz an Mercy ist ja noch, dass Amazon sich nicht zu schade war, diesem Machwerk sogar beinahe eine 2 monatige Kinoauswertung zu spendieren.
Wer jetzt trotzdem gerne einen sitzenden Chris Pratt beim Nicht-Acten beobachten möchte, kann sich den Film auf Amazon Prime gerne anschauen. Empfehlen würde ich es persönlich aber nicht.
Punkte (1/10)
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