Hoppers

Veröffentlicht am 1. September 2026 um 10:04

Auch wenn ich mich persönlich als großer Pixar-Fan bezeichnen würde, lässt sich kaum leugnen, dass die glanzvollen Zeiten, in denen das Studio ein Meisterwerk nach dem anderen veröffentlich hat, längst vorbei sind. Heutzutage wird das Studio hauptsächlich von Sequels dominiert, während viele der Original-Titel, wie der letztjährige Elio, an der Kinokassen untergehen.

Glücklicherweise sieht es mit Hoppers dieses Jahr wieder deutlich besser aus. Nicht nur, weil der Film halbwegs finanziell erfolgreich war, sondern auch, weil es seit Langem mal wieder ein Pixar-Projekt ist, das mich von Anfang an wirklich interessiert hat. (Und das lag natürlich nicht hauptsächlich daran, dass die Tiere im Trailer unfassbar knuffig aussahen.😉) 

Ein neues Pixar-Meisterwerk in den Spähern eines Wall-E oder Monster AG haben wir hier natürlich nicht, meiner Meinung nach, aber Hoppers ist ein super unterhaltsamer Animations-Film geworden, der, und so gehört sich das für gute Pixar-Verhältnisse, für alle Altersstufen hervorragend funktioniert.  

 

 

Worum geht´s?

Die junge Tierliebhaberin Mabel kämpft für den Schutz der Natur, doch niemand scheint ihr zuzuhören. Als sie die Chance erhält, ihr Bewusstsein in einen lebensechten Roboter-Biber zu übertragen, kann sie plötzlich mit Tieren kommunizieren und ihre Welt aus nächster Nähe erleben. Doch als ein wichtiger Lebensraum bedroht wird, entdeckt Mabel, dass weit mehr auf dem Spiel steht, als sie jemals geahnt hätte. Um Natur und Tierwelt zu schützen, muss sie Verbündete an den ungewöhnlichsten Orten finden.

 

 

Kommen wir direkt zu dem Punkt, der vermutlich vielen als Erstes ins Auge springt:

Wenn man beim Lesen der Handlung denkt "Moment mal! Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor?", dann ist das definitiv kein Zufall. Die Grundprämisse von Hoppers erinnert doch sehr deutlich an Avatar, worüber sich der Film selbst sogar mehrfach lustig macht. Das kann man jetzt durchaus als kreatives Armutszeugnis werten, und eine Kritik in diese Richtung halte ich für völlig legitim. 

Letztendlich fällt dieser Aspekt jedoch weit weniger ins Gewicht, als man zunächst vermuten würde. Zwar teilen beide Filme eine ähnliche Ausgangsidee, doch in ihrer Umsetzung könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Hoppers entwickelt seine ganz eigene Identität und schlägt einen völlig andere Wege ein. Darüber hinaus ist der Film vollgepackt mit cleveren und kreativen Ideen, die in den meisten Fällen auch gut zusammenfinden. Das betrifft sowohl die Handlung als auch das World-Building sowie zahlreiche erzählerische und stilistische Entscheidungen. Gerade deshalb fühlt sich der Film für mich wie eine Rückbesinnung auf die einstigen Stärken von Pixar an und beweist damit eindrucksvoll, dass dort nach wie vor kreative Köpfe am Werk sind.

Zwar dürften gerade erwachsene Zuschauer viele Stationen der Handlung schon früh kommen sehen, wirklich problematisch wird das aber nie. Einerseits sorgen die vielen kreativen Einfälle dafür, dass der Film trotzdem regelmäßig überrascht. Andererseits versteht es Pixar wie kaum ein anderes Studio, seinen Geschichten einen starken emotionalen Kern zu verleihen. Selbst vorhersehbare Entwicklungen funktionieren, weil die Figuren und ihre Beziehungen so sympathisch und glaubwürdig geschrieben sind, dass die emotionalen Höhepunkte nichts von ihrer Wirkung verlieren.

Was mich dagegen deutlich mehr überrascht hat, war, wie unglaublich witzig der Film ist. Ich war wirklich schwer beeindruckt, mit welchem Timing die Gags präsentiert werden und wie oft ich tatsächlich laut lachen musste. Das passiert bei mir bei Animationsfilmen, insbesondere bei neueren Vertretern des Genres, inzwischen eher selten. Hoppers hat mich hier jedoch komplett erwischt. (Vielleicht liegt das auch daran, dass einige dieser putzigen Tierchen manchmal einfach nur herrlich doof gucken und mich so etwas grundsätzlich immer bekommt.😄)

Auch die Figuren wissen größtenteils zu überzeugen. Mit vielleicht einer Ausnahme sind sie durchweg liebenswert geschrieben oder funktionieren zumindest hervorragend als Comic Relief. Viele von Ihnen schließt man sofort ins Herz, genau so, ich es von einem Pixar-Film erwarte. Besonders der Biber King George ist eine derart herzallerliebste Figur, dass man ihn am liebsten direkt knuddeln möchte. (Jetzt möchte ich ein Plüschtier von ihm!🥺)

Zu den Originalsprechern kann ich leider wenig sagen, da ich die deutsche Synchronfassung gesehen habe. Diese hinterließ bei mir allerdings einen durchweg positiven Eindruck und liefert die gewohnt solide Qualität, die man von deutschen Synchronproduktionen erwarten darf.

Auch auf der technischen Seite gibt es kaum Anlass zur Kritik. Zwar zeigt sich Pixar (und auch Disney im allgemeinen) im Vergleich zu Studios wie DreamWorks und Sony Animation nach wie vor etwas konservativ, wenn es um den allgemeinen Animationsstil geht, doch das ist jammern auf sehr hohem Niveau. Die visuelle Gestaltung ist trotzdem erstklassig, insbesondere die Naturumgebungen sehen häufig atemberaubend schön aus. Hinzu kommt eine beeindruckende Fell-Animation, die den ganzen putzigen Tierchen zusätzlich Leben verleiht. Am Ende bleibt vor allem die Erkenntnis, dass Pixar vielleicht nicht immer die kreativsten visuellen Wege geht, aber nach wie vor genau weiß, wie man eine wunderschöne Animationswelt zum Leben erweckt.

Einen Punkt gibt es allerdings, der mich bei Pixar und Disney Animation, schon seit Jahren beschäftigt. Je realistischer die Umgebungen werden, desto stärker fällt mir auf, wie sehr sich diese mit den Charakterdesigns beißen. Vielleicht ist das auch eine sehr persönliche Wahrnehmung, aber dieser Kontrast springt mir immer wieder ins Auge. Bei Hoppers fällt das allerdings deutlich weniger ins Gewicht als bei manch anderen Pixar-Filmen, wie Lightyear zum Beispiel. Das liegt vor allem daran, dass ein Großteil des Films von den hervorragenden animierten Tieren getragen wird, die deutlich besser mit der Umgebung harmonieren. Bei den menschlichen Figuren ist mir die Diskrepanz zwischen nahezu fotorealistischen Hintergründen und den eher cartoonhaften Designs dagegen weiterhin aufgefallen, wenn auch nicht so stark wie in anderen Pixar-Filmen aus jüngerer Vergangenheit.

Wirklich gestört hat es mich bei diesem Film zwar nicht, aber ich würde mir doch sehr wünschen, wenn Pixar bei seinen menschlichen Charakteren zukünftig wieder etwas mutiger ist und sich wieder stärker an  einprägsamen Figuren-Designs wagt, etwas, das das Studio früher eigentlich wirklich gut beherrschte.

 

Natürlich gibt es auch einige Kritikpunkte, die ich nicht unerwähnt lassen kann.

Der größte davon ist für mich das Erzähltempo. Vor allem zum Beginn rast der Film förmlich durch seine Handlung, was mich wirklich überfordert hat. Gegen Ende wird das zwar besser, verschwindet aber nie vollständig. Ich möchte zwar nicht behaupten, dass dies zwangsläufig darauf zurückzuführen ist, dass Studios glauben, Kinder bräuchten ein derart hohes Erzähltempo, um einem Film überhaupt noch die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Dennoch fällt mir dieser Trend mittlerweile bei so vielen modernen Animationsfilmen auf, weshalb ich mich zunehmend frage, welche andere Entwicklung sonst in Frage kommt.

Hinzu kommt, dass der Film stellenweise einfach zu vollgestopft ist. Viele Ideen sind großartig, und auch der Humor funktioniert überwiegend sehr gut. Trotzdem gibt es Momente, in denen weniger mehr gewesen wäre. Nicht jeder Einfall hätte umgesetzt werden müssen, und manche Gags hätte ruhig mehr Raum bekommen dürfen.

Und dann gibt es noch das Finale, bei dem ich etwas zwiegespalten bin. Auf der einen Seite finde ich es bemerkenswert, welche Richtung der Film hier einschlägt. Ohne zu viel vorweg zu nehmen: Einige Szenen besitzen überraschend düstere und teilweise sogar leicht horrorartige Elemente. Grundsätzlich begrüße ich es, wenn Animationsfilme sich trauen, auch dunklere Töne anzuschlagen. Auf der anderen Seite empfand ich die Entwicklung hier stellenweise etwas zu drüber und nicht vollständig mit dem restlichen Ton des Films vereinbar. Dazu kommt, dass ich mit dem Antagonisten nicht besonders viel anfangen konnte. Ehrlich gesagt hatte der Film meiner Meinung nach einen derartigen Antagonisten nicht mal nötig.

Die eigentliche Schlusssequenz macht jedoch vieles wieder wett. Sie greift die zentralen emotionalen Themen des Films noch einmal auf und führt sie auf eine sehr schöne und befriedigende Weise zu Ende.

 

 

Am Ende ist Hoppers ein überdurchschnittlicher Animationsfilm geworden, der sehr vieles richtig macht, sich aber auch einige unnötige Schwächen erlaubt. Zusätzlich leidet der Film darunter, unmittelbar auf DreamWorks' Der wilde Roboter zu folgen, der im direkten Vergleich in beinahe jedem Bereichen nochmal besser ist. 

Trotzdem hatte ich mit Hoppers jede Menge Spaß und kann den Film problemlos empfehlen... Vor allem wegen den putzigen Tierchen! 🥰

Punkte (8/10)

(PS: Ich musste den Film leider in 3D sehen, da mein heimisches Kino nur 3D-Vorstellungen angeboten hat. Danke dafür, Disney... Etwas schlimmeres als das kann man einem farbenfrohen Animationsfilm gar nicht an tun.)


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