Mad God

Veröffentlicht am 2. September 2026 um 14:31

Style over Substance! 

Das ist das Stichwort, das diesen Film am besten beschreibt! 

Mad God ist einerseits ein visuelles Brett, welches in Sachen Kreativität und Aufwand seinesgleichen sucht. Andererseits steckt hinter all der beeindruckenden visuellen Fassade kaum eine erkennbare oder sinnvolle Substanz.

 

 

Worum geht´s? (Wenn das so einfach wäre)

Ausgerüstet mit einer Gasmaske und einer geheimnisvollen Mission steigt ein einsamer Wanderer in die Tiefen einer verstörenden Unterwelt hinab. Dort erwarten ihn zerfallene Städte, groteske Kreaturen und endlose Maschinen des Leidens. Je tiefer er in diese albtraumhafte Welt vordringt, desto mehr offenbart sich eine Vision von Chaos, Zerstörung und den dunkelsten Seiten der Existenz.

 

 

Falls man es dem Poster und der Handlungsbeschreibung nicht eindeutig entnehmen kann: Mad God ist ein Stop-Motion-Animationsfilm, der sich klar an ein erwachseneres Publikum richtet.

Kurz zur Erklärung:

Stop-Motion ist eine spezielle Form der Animation, die bereits seit über 100 Jahren existiert. Mit dieser Technik wurden Figuren und Kreaturen wie King Kong überhaupt erst zum Leben erweckt. Stop-Motion ist dabei die Kunst, Bewegungen zu fotografieren, die in Wirklichkeit gar nicht stattfinden. Anstelle digitaler Modelle kommen dafür Puppen, Miniaturkulissen und hauptsächlich Knetfiguren zum Einsatz. Diese werden Bild für Bild von Hand leicht verändert und anschließend fotografiert, oft Hunderte oder sogar Tausende Male. Aus der Vielzahl der Einzelaufnahmen entsteht schließlich die Illusion einer flüssigen Bewegung, wodurch die Figuren scheinbar zum Leben erwachen. Shaun das Schaf und Wallace & Gromit dürften die bekanntesten Beispiele für diese Technik sein.

Daraus einen ganzen Spielfilm zu machen, ist unendlich aufwendig und verdient allerhöchsten Respekt, allein für die immense Arbeit, die dahintersteckt. Und Mad God verdient diesen Respekt auf jeden Fall.

 

Es ist unbeschreiblich, was die Macher hier visuell auf die Beine gestellt haben. Die Welt fühlt sich lebendig an und ist vollgestopft mit wahnsinnigen Details. Gerade diese machen diese Welt erst so besonders, dürften den Machern die Arbeit aber noch einmal deutlich erschwert haben. Der Film schafft es zusätzlich ständig sich selbst in seiner Kreativität zu überbieten, sodass es visuell nie repetitiv wird. Dass sich all das trotz dieser gesamten Detailversessenheit auch noch flüssig bewegt, ist ganz große Kunst.

Und da haben wir noch gar nicht über das sonstige großartige Design der Miniaturen, Kreaturen und Figuren gesprochen. Alleine aus visueller Sicht lohnt sich der Film auf ganzer Linie. Trotzdem komme ich nicht drum herum zu sagen, dass eine tatsächlich funktionierende Geschichte dem Ganzen gutgetan hätte.

 

Dabei finde ich es nicht einmal schlimm, wenn ein Film nicht viel erzählt und ausschließlich über seinen Vibe funktioniert. The Last Black Man in San Francisco ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Der Film zieht alleine über die Vibes den Zuschauer in seinen Bann, ohne eine klar erkennbare Narrative zu folgen. 

Mad God hätte auch den Weg über Atmosphäre gehen können, der meiner Meinung nach beim ultrabrutalen taiwanesischen Zombiefilm The Sadness sehr gut funktioniert hat. (Ich weiß.. Mit dieser Aussage über The Sadness stehe ich relativ alleine da, aber bei mir hat es wirklich gut funktioniert 😅)

Was Mad God stattdessen macht, ist eine ganz kaputte Mischung aus beidem. Im ersten Drittel versucht der Film noch, über seine Bilder und die einzelnen Stationen, die unser kleiner Mann durchläuft, eine gewisse Spannung zu erzeugen. Tatsächlich geht das hier im Film noch wirklich gut auf. Durch die bedrohliche Umgebung, das Ungewisse, was unsere Hauptfigur hier eigentlich macht und dass kein einziges Wort gesprochen wird, entsteht eine sehr dichte Atmosphäre, die wunderbar ausgereicht hätte.

Im Laufe des Films verlässt er diesen atmosphärischen Pfad jedoch immer mehr und der Versuch, doch noch so etwas Ähnliches wie eine Geschichte zu "erzählen", geht für mich überhaupt nicht auf. Das Geschehen wird irgendwann so extrem wirr, verkopft und seltsam, dass man ohne eine Internetzusammenfassung gefühlt gar nichts mehr versteht. Es wirkt ein bisschen so, als hätte man einen großen Topf voller Ideen am Set gehabt, die man wahllos aneinander gekleistert hat.

Dadurch ergibt sich am Ende kein rundes Gesamtbild und der Film wird durch dieser Last regelrecht erdrückt, während der Film gleichzeitig deutlich länger wirkt, als er eigentlich ist. Da stellte sich bei mir während des Schauens häufiger die Frage, ob das hier als Kurzfilm nicht vielleicht mehr hergegeben hätte. 

 

 

Und trotzdem mochte ich Mad God größtenteils sehr. An der visuellen Wucht des Films, seinem Ideenreichtum und der hochkomplexen Stop-Motion-Arbeit habe ich mich bis zum Ende hin nicht sattsehen können. Und auch wenn die Geschichte für mich größtenteils nicht funktioniert hat, und mich irgendwann so sehr verwirrt hat, dass ich das Mitdenken aufgegeben habe, konnte ich meine Faszination dafür nie wirklich ablegen.

Wenn man mal etwas sehen will, das völlig aus der Norm fällt, dann ist dieser Film hervorragend. Wenn man Stop-Motion auf diesem Niveau aber mit einer starken Geschichte sehen möchte, sollte man lieber zu Coraline greifen oder generell zu allem, was das Studio Laika bisher veröffentlicht hat.

Punkte (7,5/10)


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