Als dieser Film 2018 ins Kino kam, war ich mehr als gehypte, sogar deutlich mehr als auf Avengers: Infinity War, und das soll schon etwas heißen. Der Trailer war phänomenal, dazu Steven Spielberg auf dem Regiestuhl und Videospiele sowie digitale Welten stehen im Mittelpunkt. Für mich war schon klar, noch bevor ich überhaupt einen Fuß ins Lichtspielhaus meines Vertrauens gesetzt hatte, dass ich Ready Player One lieben würde und genau das ist auch passiert.
Seitdem habe ich ihn allerdings nicht noch einmal gesehen. Ich hatte deutliche bedenken, dass meine damalige Wertung von 9 Punkten viel zu hoch war, dass ich von meiner jugendlichen Euphorie geblendet wurde und zusätzlich hatte ich auch nicht mehr die besten Erinnerungen daran, ob der Film wirklich so spaßig war. Also musste eine Zweitsichtung her, um nochmal einmal sicherzugehen. Dieses mal war ich jedoch felsenfest davon überzeugt, dass sich meine Wertung drastisch nach untern bewegen würde...
Und mein Gott lag ich falsch. 😃
Ready Player One ist für mich nach wie vor ein absolutes Blockbuster-Brett, das mir unendlich viel Spaß macht und dem ich auch seine Fehler problemlos verzeihen kann.
Worum geht´s?
Im Jahr 2045 ist die reale Welt für viele Menschen trostlos geworden. Ihre Zuflucht finden sie in der virtuellen Welt OASIS, einem grenzenlosen digitalen Universum, in dem alles möglich scheint. Als der Schöpfer der OASIS stirbt, hinterlässt er eine letzte Herausforderung: Wer ein verborgenes Easter Egg findet, erbt nicht nur sein Vermögen, sondern auch die Kontrolle über die virtuelle Welt. Für den jungen Wade Watts beginnt damit ein Abenteuer voller Rätsel, Gefahren und unerwarteter Verbündeter, während mächtige Gegner alles daran setzen, das Rennen für sich zu entscheiden.
Ready Player One basiert auf dem gleichnamigen Buch von Ernest Cline, welches ich leider nie gelesen habe. Ob die Geschichte dort vielleicht sogar noch besser funktioniert, kann ich dementsprechend nicht beurteilen. Für die Filmversion kann ich aber sagen, dass sie überraschend gut funktioniert.
Zugegeben: Man sollte schon etwas empfänglich für Videospiele sein und eine gewisse Prise an Nerdtum aushalten können, sonst steht man hier vermutlich ziemlich auf dem Schlauch. Der Film ist ein regerechtes visuelles Feuerwerk aus unzähligen Anspielungen, Easter Eggs und Begriffen der Popkultur. Von Gaming über Filmen bis hin zu Anime ist hier alles vertreten. Das kann durchaus überfordernd und verwirrend sein, da der Film nicht viele Anstalten macht, solche Dinge zu erklären. Wie man das letztendlich bewertet, bleibt jedem selbst überlassen.
Das eigentliche Gerüst bildet eine ziemlich klassische Heldenreise, die zwar wenig Platz für Überraschungen lässt, aber trotzdem zu überzeugen weiß. Sie ist grundsympathisch erzählt, schlägt fast immer die richtigen Töne an, hat ein angenehmes Pacing und bietet eine Charakterriege, die so klassisch ist, dass sie einfach funktioniert.
Die Figuren und das dazugehörige Schauspiel gewinnen sicherlich keine Preise, ist für diese simple Heldengeschichte aber absolut ausreichend. Wir haben natürlich den etwas schüchternen Protagonisten, der über sich hinauswachsen muss, einen taffen Love Interest, den bösen Tech-CEO und vieles mehr. Nichts davon ist wirklich neu oder außergewöhnlich, aber im Kontext der Geschichte erfüllen alle ihren Zweck. Tye Sheridan, Olivia Cooke und Ben Mendelsohn spielen dabei ihre jeweiligen Rollen durchweg solide, aber eben auch nicht viel mehr. Gerade Mendelsohn spielt keinen komplexen Bösewicht, funktioniert aber als skrupelloser Konzernboss meiner Meinung nach sehr akzeptabel. Liegt aber auch bestimmt ein wenig daran, dass ich ihn seit Rogue One immer sehr gerne als Antagonist sehe. Positiv erwähnen möchte ich zudem noch Mark Rylance als Halliday, der seiner Figur so eine gewisse Eigenständigkeit und Tiefe verleiht.
Man muss aber auch sagen, dass hier in erster Linie die Welt und die brachiale Action im Vordergrund stehen, wodurch die Geschichte hin und wieder in den Hintergrund rückt. Ich würde aber lügen, wenn ich behaupten würde, dass genau das nicht einer der Hauptgründe ist, warum ich diesen Film so sehr liebe. Vielleicht bin ich einfach ein viel zu großer Nerd, aber die Art und Weiße, wie die OASIS im Film dargestellt wird, finde ich großartig. Die schiere Vielfalt, die vielen Anspielungen und die enorme Liebe zum Detail sorgen dafür, dass in praktisch jeder Szene etwas Neues entdeckt werden kann. Vor allem fühlt sie sich diese Welt trotz all ihres Wahnsinns erstaunlich konsistent an, wodurch ihrer Glaubwürdigkeit nochmal profitiert.
Die Action ist aus meiner Sicht ebenfalls phänomenal, auch wenn sie gelegentlich etwas unübersichtlich wird. Die Wucht ist jederzeit spürbar, sie besitzt eine gewisse Epicness, die mir bei vielen modernen Blockbustern sehr häufig einfach fehlt, und bleibt trotz des Chaos stark inszeniert. Trotzdem verliert der Film dabei nie seine ruhigen Momenten und wichtigen Themen aus den Augen und schafft es eine relativ gute Balance einzuhalten. Gerade das große Rennen zu Beginn und natürlich die finale Schlacht gehören für mich zum besten was der Film actionmäßig zubieten hat.
Über eine sehr wichtige Sache muss man da aber sicherlich noch sprechen: Die Effekte
Die Action und vor allem die digitale Welt, in der sich rund 85% des Films abspielt, könnten ohne massive Mengen an Computer-Effekten natürlich gar nicht existieren. Das hier wird aber kein Effekte-Rant, wie in anderen meiner Reviews. Ganz im Gegenteil. Die allgemein Effekt-Qualität ist hervorragend und sieht heute noch erstaunlich gut aus.
Ja, die digitale Welt besitzt eine deutlichen Künstlichkeit. Hier wurde bewusst ein Look gewählt, der eher in Richtung Videospielästhetik geht, zumindest gehe ich davon aus. Thematisch passt das natürlich perfekt zum Film und sieht, wie gesagt, wirklich gut aus. Trotzdem entstehen dadurch gelegentlich etwas befremdliche Bilder und viele menschlich animierten Figuren bewegen sich nicht selten im Uncanny Vally-Bereich.
Das eigentliche Problem ist nicht die Qualität der Effekte, sondern eher ihre schiere Menge. Auf dem Bildschirm passiert permanent unglaublich viel, was auf Dauer durchaus anstrengend werden kann. Da kommen ruhige Szenen in der Echten Welt ganz gelegen, auch wenn selbst diese natürlich nicht ohne CGI-Effekte auskommen.
Und eine Kritik, die sich der Film seit seinem Erscheinen regelmäßig anhören darf, betrifft ausgerechten Regie-Legende Steven Spielberg. Viele bemängelten, dass man seine Handschrift kaum im Filme erkennen könne und viel von seiner "Spielberg-Magie" fehlen würde. Dieser Meinung kann ich allerdings nicht ganz zustimmen. Wüsste man nicht, dass Spielberg hier hinter der Kamera saß, würde er einem vermutlich nicht als Erstes in den Sinn kommen. Das liegt vor allem daran, dass das Videospiel-Setting doch eher unüblich für ihn ist.
Hier kommt aber mein großes ABER:
Mir würde ehrlich gesagt kein anderer Regisseur einfallen, der dieses Spektakel glaubwürdig und gleichzeitig unterhaltsam hätte inszenieren können wie Spielberg. Ich finde man erkennt trotzdem viele seiner Stärken im Film wieder. Das starke Abenteuergefühl, das hohe Erzähltempo und die Art, wie das Spektakel inszeniert wird, erinnert durchaus an seine besten Blockbuster wie Jurassic Park oder den Indiana Jones-Filmen.
Wer hätte es sonst machen sollen? Von den Regisseuren, die während der Pre-Production mal im Gespräch waren, wäre für mich allenfalls James Cameron eine echte Alternative gewesen. Robert Zemeckis hätte ich dagegen überhaupt nicht als Regisseur gesehen. Und Warner hat allen ernstes zeitweise Christopher Nolan für das Projekt in Betracht gezogen. Der hätte die OASIS vermutlich noch in der Realität programmieren lassen, nur um möglichst wenig CGI verwenden zu müssen. 😄
Aus meiner Sicht kann man Ready Player One definitiv eine Chance geben. Wer leichte, actiongeladene Blockbuster-Unterhaltung sucht, macht hier absolut nichts falsch. Gleichzeitig besitzt der Film trotz all seines Spektakels auch eine schöne Botschaft über die reale Welt und echte zwischenmenschliche Beziehungen.
Es mag vielleicht ein eher untypischer Spielberg sein, trotzdem steckt für mich genug von seiner Magie in diesem Film. Außerdem zeigt Ready Player One noch einmal sehr eindrucksvoll, warum Spielberg über Jahrzehnte einer der prägendsten Blockbuster-Regisseure überhaupt war.
Ich habe eine große Schwäche für diesen Film und kann ihn jedem ans Herz legen, der bei einem Film einfach mal abschalten und zwei Stunden lang Spaß haben möchte.
Punkte (9/10)
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