Michael

Veröffentlicht am 22. September 2026 um 16:35

Music-Biopics gibt es mittlerweile auch wie Sand am Meer. Daher war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch der wohl größte Künstler unserer Zeit seine filmische Aufarbeitung bekommt. 

Nur ist es eben so, dass Music-Biopics oft sehr schablonenhaft im Eilverfahren die Karriere ihrer Musiker abarbeitet, ohne dabei wirklich viel über den Menschen hinter der Musik zu erzählen. Am Ende erfährt man meist nur die nötigsten Lebensstationen und ist im besten Fall über den eigentlichen Star genauso schlau wie vor dem Film. Diese Art des Erzählens würde einem Michael Jackson niemals gerecht werden, zumal sein Lebenswerk auch viel zu groß und umfangreich ist, um es in einem zweistündigen Film überhaupt unterzubringen.

Daher war meine Skepsis gegenüber diesem Biopic von Anfang an ziemlich groß. Zusätzlich hat die Nachricht, dass aus ziemlich unnötigen Gründen der komplette dritte Akt neu gedreht werden musste, inklusive einer einjährigen Verschiebung, diese Skepsis nur weiter bestärkt. Umso überraschter war ich nach dem Kinobesuch, dass Michael am Ende keine völlige Katastrophe geworden ist, auch wenn viele meiner anfänglichen Skepsis letztlich bestätigt haben. 

 

 

In der Fassung, die wir nun bekommen haben, umfasst die Handlung die Kindheit von Micheal Jackson bei den Jackson 5 und reicht bis zu seinem Solo-Auftritt von Bad im Jahre 1988. Und da dürfte ziemlich schnell eine gewisse Sache auffallen: Der Film, der ja Michael heißt, behandelt nicht einmal den gesamten Lebensweg von Michael Jackson. Alles, was in den 90er und den 2000ern passiert, fehlt hier komplett. Das wird sich lieber für einen mittlerweile auch bestätigten zweiten Teil aufgehoben, was ich im Kontext eines Biopics tatsächlich noch nie erlebt habe. 

Gut, man kann jetzt natürlich sagen, dass genau das die logische Konsequenz ist, wenn man das Leben von Micheal Jackson vollumfänglich erzählen möchte. Und an sich würde ich diesem Argument sogar zustimmen, wenn dieser Film die erste Hälfte seines Lebens wirklich vollumfänglich erzählen würde. Leider macht dieses Biopic genau das, was so viele andere Vertreter ebenfalls machen.

Die Handlung rast mit einem Affentempo durch sämtliche Stationen, gibt weder seiner Musik, noch Michael Jackson selbst den nötigen Raum und behandelt alle wichtigen Themen nur sehr oberflächlich. Das betrifft vor allem die schwierige Beziehung zu seinem Vater sowie die starke Einsamkeit, die ihn sein Leben lang geplagt haben muss. Beides wird jedoch so plakativ erzählt, dass es stellenweise fast schon manipulativ wirkt. Andere interessante Themen, wie die Entstehung seiner Musik, bekommen den typischen Hollywood-Kitsch aufgetischt, während eher nur nennenswerte Ereignisse bis ins kleinste Detail ausgeschlachtet werden, um beim Zuschauer gezielt Emotionen zu erzeugen. Ansonsten ist der Film vor allem daran interessiert, Michael Jackson als nahezu unfehlbaren Saubermann zu inszenieren, der keinen einzigen Makel besitzt. 

Dazu sitzt mit Antoine Fuqua jemand hinter der Kamera, der für solche ruhigeren Stoffe meiner Meinung nach eher ungeeignet ist. Fuqua verbindet man schließlich eher mit brachialem Action-Kino á la The Equalizer und nicht mit einem Biopic, dass ohne großes Getöse auskommt. Demnach ist der Film, wie so viele Biopics zuvor, lediglich stumpf heruntergefilmt, ohne dem ganzen einen eigenen oder persönlichen Spin zu verleihen. 

Für meinen Geschmack wird das ganze noch abgerundet mit viel zu digital wirkenden Bildern, die stellenweise unerträglich künstlich aussehen, sowie einige eher unterdurchschnittliche Computereffekte, die diesen Eindruck noch zusätzlich verstärken. Auch wenn ich es grundsätzlich wertschätze, dass Lionsgate für Filmszenen keine echten Tiere verwenden möchte, finde ich es trotzdem etwas schade, dass die CGI-Tiere wieder ziemlich mau aussehen. Hier wäre weniger vermutlich mehr gewesen.

Bei all der inhaltlichen Kritik gibt es aber eine Eigenschaft, die dem Film massiv aufwertet: Das Schauspiel. 

Michael Jackson wird hier von seinem Neffen Jaafar Jackson verkörpert und liefert hier wirklich auf ganzer Linie ab. Gerade wenn man bedenkt, dass dies sein Schauspieldebüt ist, ist seine Leistung bemerkenswert. Vor allem optisch ähnelt er seinem Onkel so unglaublich, dass man tatsächlich glauben könnte, der echte Michael Jackson stünde vor der Kamera. Aber auch schauspielerisch liefert er einen hervorragenden Job ab und nur ganz selten wird man durch seine Verkörperung aus der Immersion gerissen. Für ein Debüt ist das absolut erstklassig und wertet ein Biopic wie dieses natürlich enorm auf.

Die zweite großartige Schauspielleistung stammt von Colman Domingo, der Michael Jacksons Vater Joseph spielt. Domingo ist generell ein ziemlich starker Schauspieler und zeigt auch hier wieder, was er auf dem Kasten hat. Er spielt die Figur äußerst facettenreich, geht in ihr vollkommen auf (Soweit es das Drehbuch natürlich zulässt), und ist unter seiner sehr gelungenen Maske beinahe nicht wiederzuerkennen. Das macht das Schauspiel sicherlich nicht einfacher, aber auch das meistert Domingo problemlos. Es gibt noch einzelne weitere gute Leistungen und bis auf Miles Teller, der Michaels Produzenten John Branca verkörpert, ist mir auch niemand negativ aufgefallen. Jaafar Jackson und Colman Domingo bleiben jedoch die klaren Highlights des Films. 

Und auch ich, der jetzt nicht der aller größte Michael Jackson Fan ist, kann nicht bestreiten, dass seine Musik einfach mitreißt. Gerade die längere Sequenz mit Beat It und Thriller ist vom Feeling her absolut fantastisch. Dort hatte mich der Film komplett in seinen Bann gezogen und alleine für dieses Gefühl lohnt sich Michael durchaus. 

 

 

Ganz allgemein hängt ein Music-Biopic immer stark davon ab, wie man zum dargestellten Künstler steht. Wer Fan von Michael Jackson ist, wird hiermit sowieso problemlos seine Freude haben, was man am wenig überraschenden Einspielergebnis von 1 Mrd. $ mittlerweile deutlich sehen kann. Mir persönlich sind jedoch die filmischen Aspekte wichtiger und Michael tappt dabei in dieselbe Falle wie zuletzt auch das Bob Dylan-Biopic Like a Complete Unknown, mit dem ich ebenfalls nicht viel anfangen konnte.

Auch wenn Micheal unterm Strich kein wirklich guter Film geworden ist und man ihm anmerkt, dass der Nachlass inhaltlich durchaus seine Finger mit im Spiel hatte, besitzt er dennoch einige starke Momente. Vor allem das Schauspiel von Jaafar Jackson und Colman Domingo sind atemberaubend und Michael Jacksons Musik funktioniert ohnehin fast immer.

Wer von einem Music-Biopic auch filmisch weggeblasen werden möchte und sehen will, wie die Musik eines Künstlers clever in die Narrative eingebaut wird, den sie verdient, dem empfehle ich stattdessen das Elton John-Biopic Rocketman. Vorausgesetzt natürlich, man kann mit seiner Musik etwas anfangen. 😉

Punkte (6,5/10) 


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