Eternals

Veröffentlicht am 28. September 2026 um 14:33

Von allen MCU-Filmen, die ich bisher noch nicht gesehen hatte, war Eternals definitiv der, auf den ich mich am wenigsten gefreut habe. Abgesehen von der Regisseurin hat mich wirklich gar nichts an diesem Film angesprochen oder sah irgendwie interessant oder spaßig aus. Die eher vernichteten Reviews, selbst unter MCU-Hardcore-Fans, waren daran daran natürlich auch nicht ganz unschuldig.

Jetzt habe ich ihn nun auch nachgeholt und kann eines sagen: Für mich ist er auf jeden Fall nicht der schlechteste Beitrag des Marvel Cinematic Universe, aber die Bezeichnung als irrelevantester und langweiligster MCU-Beitrag hat er sich mehr als redlich verdient. 

 

 

Worum geht´s? 

Seit Tausenden von Jahren leben die Eternals, eine Gruppe unsterblicher Wesen mit außergewöhnlichen Kräften, verborgen unter den Menschen. Einst wurden sie zur Erde geschickt, um die Menschheit vor den monströsen Deviants zu beschützen. Nachdem ihr uralter Feind plötzlich zurückkehrt, müssen sich die verstreut lebenden Eternals wieder vereinen. Dabei stoßen sie auf Geheimnisse über ihre eigene Herkunft und ihre wahre Bestimmung, die alles infrage stellen, woran sie bisher geglaubt haben.

 

 

Im Vorfeld zu diesem Film sagte Marvel-Präsident Kevin Feige in Pressetouren noch, Eternals würde die Machtverhältnisse im MCU neu ordnen. Das sich das wenig überraschend als hohle Phrasendrescherei herausstellte, war schon beim Release im Jahre 2021 mehr als deutlich. Nachdem ich den Film nun selbst gesehen habe, finde ich es umso lustiger, wie diese Aussage nicht nur nicht stimmt, sondern fernab jeglicher Realität liegt. 

Eternals ist nämlich das filmische Äquivalent einer Filler-Episode irgendeiner x-beliebigen Serie, die sowieso schon viel zu lange läuft. Es ist wirklich erstaunlich wie es der Film schafft, innerhalb seiner astronomischen Laufzeit von 157 Minuten konstant im inhaltlichen Leerlauf zu verharren und dabei kaum etwas Spannendes, Interessantes oder geschweige denn Unterhaltsames zu erzählen. Zwar gibt es einzelne interessante Wendungen und einige wenig gelungene Charaktermoment, doch nichts davon hat genügend Gewicht, um die Geschichte dauerhaft spannend zu halten. Wirklich erwähnenswert bleibt am Ende lediglich das quatschige Finale, und selbst darüber gibt es nicht besonders viel Spannendes zu berichten.

Selbst mögliche Verbindungen zu anderen Marvel-Projekten, die über simples Name-Dropping hinausgehen, sucht man hier vergebens. Nicht, dass ich das im Großen Stil gebraucht hätte. Eigentlich ist es sogar mal angenehm, dass eine MCU-Film für sich alleine stehen kann, ohne das man gefühlt 12 Filme, 4 Serien oder 20 Verweise auswendig können muss. Aber dann sollte der Film auch eigenständig funktionieren und nicht permanent seine Zuschauer zum Einschlafen animieren.

 

Bei den neu eingeführten und namensgebenden Eternals sieht es leider nicht besser aus. Die zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass die meisten von ihnen unglaublich profillos sind. Das liegt nicht einmal unbedingt daran, dass sie unsympathisch wären, sondern vielmehr daran, dass viele der Eternals sich nur durch ihre jeweilige Fähigkeit unterscheidet. Aufgrund der großen Anzahl von Charakteren bleiben Konflikte, Beziehungen und Persönlichkeit oft nur oberflächliche angerissen. Von manchen könnte ich nicht einmal mehr den Namen oder nur eine einprägsames Charaktermerkmale nennen. 

Nur der Eternal Gilgamesh, der sehr überzeugend von Ma Dong-seok verkörpert wird, sowie die bezaubernde Lauren Ridloff als Makkari haben mir wirklich gut gefallen und verleihen ihren Figuren zumindest etwas Persönlichkeit. Es gibt zwar noch Sprite, gespielt von Lia McHugh, die durchaus Persönlichkeit besitzt, allerdings war mir ihr Handlungsplot insgesamt viel zu simple erzählt und ganz allgemein empfand ich die Figur als eher nervig.

Andere namenhafte Stars wie Salma Hayek, Angelina Jolie oder meinetwegen auch Kit Harington haben mir dagegen eher wenig gegeben. Weder ihre Figuren noch die dazugehörigen Schauspielleistungen haben irgendwie Eindruck hinterlassen. Und dann gibt es noch die relativ große dritte Gruppe an Darstellern, die zwar keineswegs schlecht spielen, es aber trotzdem nicht schaffen, ihren Figuren wirklich Leben einzuhauchen. Dazu zählen vor allem Barry Keoghan, Richard Madden, Brian Tyree Henry, Kumail Nanjiani sowie Hauptdarstellerin Gemma Chan.

Natürlich brauchen die Eternals auch Antagonisten. Das übernehmen in diesem Fall die sogenannten Deviants. Das sind seelenlose CGI-Kreaturen, die weder besonders cool sind, wenn sie auftauchen, noch Spaß machen, wenn sie bekämpft werden. Es gibt unter ihnen zwar einen Vertreter, der etwas heraussticht, aber der Kollege ist so uninteressant, im Film kaum anwesend und sein Schicksal innerhalb des Films somit das lachhafteste, was ich jemals mit einem MCU-Bösewicht gesehen habe. Das stellt sogar die Dunkelelfen aus Thor: The Dark World in den Schatten, und das soll schon was heißen!

 

Um aber nicht nur auf dem Film herumzuhaken, müssen wir über die Regisseurin Chloé Zhao sprechen. Ich persönlich finde nämlich nicht, dass sie die Hauptschuld daran trägt, dass der Film nicht funktioniert. Ja, sie hat am Drehbuch mitgeschrieben, allerdings gemeinsam mit drei weitern Autoren. Und da es um einen Marvel-Film handelt, kann man ohnehin davon auszugehen, dass inhaltlich eine gewisse Richtung vorgegeben wurde. 

Dafür darf sich Zhao visuell und inszenatorisch so richtig austoben. Und meiner Meinung nach hat sie dabei den visuell schönsten MCU-Film abgeliefert. Das liegt für mich vor allem an drei wichtige Faktoren, die eng miteinander zusammenhängen.

Zum einen wurde der Film an vielen echten Locations gedreht und verzichtet in vielen Szenen auf künstliches Licht. Dadurch wirkt die Welt deutlich greifbarer und realistischer, als in viele andere Marvel-Filme. Gleichzeitig muss auch nicht jede Umgebung aufwendig animiert werden, wodurch die Ressourcen für die visuelle Effekte auch deutlich effektiver eigesetzt werden können. 

Das Ergebnis sind großartige Effekte, die tatsächlich einmal wieder richtig gut aussehen dürfen. Auch wenn ich die Deviants als Bedrohung überhaupt nicht mochte, sehen sie zumindest sehr gut aus. Gleiches gilt für Celestials, die hier endlich richtig zusehen sind und wirklich fantastisch aussehen. Auch die paar digital erweiterten Szenen harmonieren deutlich besser mit ihrer realen Umgebung, als beispielweise noch in Black Widow. Hinzu kommt noch ein allgemein starkes Sets-Design und hervorragende Kostüme, die zwar etwas schlicht ausfallen, mich persönlich aber sehr angesprochen haben. 

Und auch wenn manche Effekte gelegentlich auffallen und ich persönlich die optische Gestaltung der Kräfte der Eternals nicht sonderlich schön fand, gab es nie einen Moment, in dem mich die Effekte wirklich gestört haben. Das einzige, was man Zhao in der Hinsicht vorwerfen kann, ist ihre übertriebene Nutzung von natürlichem Licht. Das zeigt sich in unendlichen Szenen, wo sich eine beliebige Anzahl an Eternals versammeln um dann mit heroischem Blick bedeutungsschwanger in den Sonnenaufgang, wahlweise auch den Sonnenuntergang, zu starren. Das passiert so oft, dass es irgendwann unfreiwillig komisch wird. 

 

 

Eternals ist das traurige Endergebnis dessen, was passiert, wenn ein milliardenschweres Franchise plötzlich so tun möchte, als wäre man anspruchsvolles Arthouse-Kino. Auch wenn ich die visuelle Kraft des Films durchaus wertschätzen kann und ich Chloé Zhao für eine hervorragende Regisseurin halte, was sie mit Hamnet meines Erachtens eindrucksvoll bewiesen hat, komm ich nicht umhin festzustellen, dass ihre Handschrift mit dem des MCUs nie wirklich zueinander finden.

Und da wir uns inzwischen im Jahr 2026 befinden und die große Identitätskrise des MCUs in den 2020er-Jahren bereits ihre Opfer gefordert hat, wissen wir heute auch, dass von Eternals nur noch ein Film voller gebrochener Versprechen und toter Enden (Stichwort: End-Credit-Szene) zurückgeblieben ist. Das zusätzlich eine Fortsetzung mittlerweile auf Eis liegt wurde und die Figuren in den kommenden Avengers-Filmen vermutlich ebenfalls keine Rolle spielen werden, macht deutlich, dass Marvel das Kapitel "Eternals" längst beerdigt hat. 

Betrachtet man diesen Umstand, sind die damaligen Presseaussagen von Kevin Feige tatsächlich nochmal deutlich lustiger, als sie ohnehin schon waren.

Punkte (5/10)


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