In vielerlei Hinsicht ist das hier eine sehr besondere MCU-Kritik.
Nicht nur war das einer der wenigen MCU-Filme nach Avengers: Endgame, die ich tatsächlich auch im Kino angesehen habe, sondern auch einer, auf den ich mich im Zuge meiner Aufarbeitung des MCUs besonders gefreut habe. Gleichzeitig war ich aber weiterhin etwas skeptisch, da der Film bei seinem Erscheinen im Jahre 2021 meiner Meinung nach viel zu sehr in den Himmel gelobt wurde. Nach der Kinosichtung fand ich, dass wir zwar einen guten Spider-Man-Film bekommen habe, aber nicht DEN Spider-Man-Film, als den ihn viele Fans im Vorfeld angepriesen haben.
Doch diese Skepsis ist nun größtenteils offiziell gestorben, denn Spider-Man: No Way Home ist fantastisch und für mich mittlerweile sogar in meiner persönlichen Top 5 aller MCU-Projekte vertreten! (Ja, ich kann auch Marvel-Filme loben. 😉 )
Worum geht´s?
Nachdem seine geheime Identität als Peter Parker öffentlich bekannt geworden ist, wird sein Leben völlig auf den Kopf gestellt. Um die Situation rückgängig zu machen, bittet er Doctor Strange um Hilfe. Doch ein misslungener Zauber öffnet das Multiversum und bringt gefährliche Gegner aus anderen Universen in seine Welt. Nun muss Peter nicht nur diese Schurken aufhalten, sondern auch einen Weg finden, das Multiversum zu retten und die Menschen zu schützen, die ihm am wichtigsten sind.
(Achtung: Spoiler-Warnung - Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte diese Kritik nicht weiterlesen. Falls es diese Leute überhaupt gibt.)
Ja es stimmt. Der Film ist im Grunde nichts anderes als ein reines Fan-Service-Produkt, der Figuren, Begriffe und Momente aus vergangenen Filmen auf das Spielfeld schickt, damit Fans alle paar Minuten mit dem Finger darauf zeigen und "AHH, das kenn ich!!" rufen können. Das kann schnell in billigsten Nostalgie-Bait ausarten, und wie das aussehen kann, haben Marvel und auch DC in späteren Filmen selbst bewiesen. Oder man übertreibt gleich komplett und kleistert seinen Film so stark mit Nostalgie und Fan-Service zu, dass das Endergebnis gar keine eigene Identität mehr besitzt... Hab ich nicht Recht Star Wars: The Force Awakens? 😉
Bei Spider-Man: No Way Home finde ich allerdings, dass der Fan-Service einer sehr gelungenen, unterhaltsamen und zuweilen sogar emotionalen Geschichte dient, auch wenn die Nostalgie hier klar im Mittelpunkt steht. Zwar sind einige Handlungsentscheidungen etwas unglaubwürdig und wirken stellenweise arg konstruiert, und gerade in der ersten Hälfte leidet der Film wieder unter den typischen Marvel-Krankheiten, namentlich dem oftmals unpassenden Humor. Trotzdem mochte ich gerade den Aufbau des Films und das angenehme Pacing.
Anstatt dem Zuschauer sein Multiversums-Thema sofort ohne Gnade ins Gesicht zu werfen, beginnt der Film erst einmal gemächlich und zwar dort, wo Far From Home in seiner Post-Credit-Szene endete. Erst danach schiebt er einen alten Spidey-Bösewicht nach dem nächsten ins Bild und baut sein Multiversums-Konzept Stück für Stück auf. Das führt zwar wiederum zu einer Menge sinnfreier Exposition, sorgt aber gleichzeitig für viele schönen Wiedersehen mit altenbekannten Figuren Wie Alfred Molinas Doktor Octavius, Willem Dafoes Green Goblin und natürlich Tobey Maguires und Andrew Garfields Spider-Man. Gerade deshalb hat mich die Multiversums-Geschichte noch einmal positiv überrascht. Denn anstatt sich nur auf seine zurückkehrenden Figuren zu verlassen, schafft es der Film, mit ihnen eine unterhaltsame und emotionale Geschichte zu erzählen, die für unseren MCU-Peter Parker echte Konsequenzen hat.
Neben dieser überraschend starken Multiversums-Geschichte bietet der Film spaßige und teilweise sehr kreative Action, die zum Glück mal wieder wirklich gut inszeniert ist, sich angenehm wuchtig anfühlt und sogar spürbar nachhaltigen Auswirkungen aufwartet, die man im MCU viel zu selten bekommt und die hier tatsächlich auch mal stehen gelassen werden. Und das Allerbeste: Gerade für mich als elenden Nörgler, wenn es um den Marvel-Humor geht, verzichtet der Film gerade gegen Ende größtenteils auf seine ständigen Witze und fokussiert sich stattdessen auf seine emotionale Tragweite und auf sein großartiges Finale. Meiner Meinung nach besitzt No Way Home sogar das vielleicht beste Ende eines MCU-Films überhaupt. Zumindest eins, dass wirklich im Gedächtnis bleibt.
Auch das Schauspiel ist soweit auch ziemlich gut, wobei es aufgrund der schieren Masse an Figuren schwerfällt, auf jeden Einzelnen ausführlich einzugehen. Die meisten Darsteller, wie Tom Holland, Benedict Cumberbatch, Marisa Tomei oder Zendaya, verkörpern ihre Rollen genau so, wie man es mittlerweile aus dem MCU kennt. Alfred Molina und Willem Dafoe in ihren Paraderollen wiederzusehen, ist natürlich großartig. Beide sind hervorragende Schauspieler und verkörpern ihre jeweiligen Figuren so, wie man es sich wünscht. Tobey Maguire und vor allem Andrew Garfield erneut als Spider-Man zu sehen, ist ebenfalls ziemlich cool, auch wenn ich mich jedes Mal erst wieder an den mittlerweile deutlich älteren Maguire als Spider-Man gewöhnen muss. Ansonsten gefiel mir Jamie Foxx als Electro noch ziemlich gut, und zwar wesentlich besser als noch in The Amazing Spider-Man 2, was zugegeben aber auch nicht schwer ist. Und J. K. Simmons sehe ich sowieso immer gerne, auch wenn er hier leider nicht allzu viel zu tun bekommt.
Mit Sandman und Lizard weiß der Film dagegen nicht wirklich was anzufangen. Happy ist ebenfalls nicht der Rede wert und auf den Cameo von Charlie Cox als Matt Murdock/Daredevil sowie besonders den von Tom Hardy als Eddie Brock/Venom hätte ich persönlich verzichten können.
Zu guter Letzt muss ich aber, wie in jeder meiner Marvel-Kritiken, noch ein wenig auf den CGI-Effekten rumhacken. Dabei sind die Effekte eigentlich mehr als solide. Gerade wenn man bedenkt, wie viel digitale Effekte hier verwendet wurden, sieht man das Budget von 200 Mio. $ definitiv auf der Leinwand. Trotzdem komme ich nicht drum herum zu erwähnen, dass sich der Film einige böse CGI-Patzer erlaubt.
Zum einen sind viele der digital erweiterten Kulissen deutlich als solche zu erkennen, wodurch die echten Darsteller häufig nicht vernünftig mit dem Hintergrund harmonieren möchten. Zum anderen wirken einige CGI-Objekte durch ihre unnatürliche Physik etwas zu künstlich animiert. Und ganz besonders der eben erwähnte Lizard ist eine abenteuerlich hässlich CGI-Kreatur, der sogar nochmal hässlicher aussieht als in The Amazing Spider-Man... Keine Ahnung, wie die das hinbekommen haben.
Aber abseits davon ist Spider-Man: No Way Home eine irre spaßige Comicverfilmung, der es neben den großartigen Spider-Verse-Animationsfilmen geschafft hat, das Multiversum einigermaßen sinnvoll und vor allem unterhaltsam umzusetzen. Und das über seine komplette Laufzeit von beinahe 150 Minuten. Auch wenn der Fan-Service den Zuschauer permanent anschreit und nicht jede zurückgekehrte Figur gleich gut funktioniert, kann ich nicht behaupten, dass das Konzept hier nicht aufgeht. Eher sogar das genaue Gegenteil.
Hier ist Marvel wieder zu seinen einstigen Stärken zurückgekehrt, und ich bin wirklich froh, dass mir der Film bei meiner Zweitsichtung sogar noch mehr Spaß gemacht hat als damals im Kino.
Und das soll bei mir, dem bekannten MCU-Hater-Nummer 1, schon einiges heißen! 😉
Punkte (8,5/10)
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