Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Disclosure Day das Potential hatte, ein richtig starker Film werden zu können.
Ich meine: HALLO! Steven Spielberg kehrt nach einer gefühlten Ewigkeit wieder zum SciFi-Genre zurück, mit einem Blockbuster, dessen Trailern etwas ähnliches wie Spielbergs Die unheimliche Begegnung der Dritten Art versprachen. Zusätzlich ist auch noch David Koepp für das Drehbuch verantwortlich, der Mann, der mit Spielberg schon Jurassic Park gemacht hat, und sogar Spielbergs legendärer Stammkomponist John Williams ist mit dabei.
Meine Vorfreude auf diesen Film war so gigantisch, dass ich gar nicht davon ausgegangen bin, dass das hier nach hinten gehen könnte. Wie das aber manchmal so ist mit der Erwartungshaltung, hat es mich im Kinosaal dann leider eiskalt erwischt. So, als hätte ich nichts aus vergangenen Kinoenttäuschungen wie Mission: Impossible 8: The Final Reckoning oder Edgar Wrights Running Man gelernt.
Disclosure Day ist letztendlich eine so derbe Enttäuschung geworden, dass ich mir nach der Sichtung schweren Herzens eingestehen musste, einen von Spielbergs schwächsten Filme gesehen zu haben.
Worum geht´s?
Als die Meteorologin Margaret Fairchild in rätselhafte Ereignisse verwickelt wird, kreuzen sich ihre Wege mit dem Cybersicherheitsexperten Daniel Kellner, der im Besitz eines streng gehüteten Geheimnisses ist. Während beide versuchen, die Wahrheit herauszufinden, geraten sie ins Visier mächtiger Gegner. Schon bald wird ihnen klar, dass ihre Entdeckung weitreichende Folgen für die gesamte Menschheit haben könnte.
Ich muss aber zugeben, dass die Trailer, obwohl ich extrem gehypt auf diesen Film war und mich allein die Anwesenheit von Steven Spielberg auf dem Regiestuhl definitiv mehr geblendet hat, als ich es hätte zulassen dürfen, schon einen gewissen skeptischen Eindruck hinterlassen haben. Nicht nur sahen die ersten Bilder schon ziemlich unansehnlich aus, mit dem wahnsinnig hässlichen grauen Color-Grading und der immens ins Auge stechenden Digitaloptik, die dort schon sehr steril und künstlich wirkte, sondern es wurde auch schnell klar, dass sich die Promo-Phase unglaublich schwer damit tat, dem Publikum zu vermitteln, was das hier eigentlich genau für ein Film sein soll.
Gut, damit hat das Marketing das Mysterium innerhalb des Films erfolgreich geheim gehalten, auch wenn man am Ende nicht besonders schlau sein musste, um es zu erahnen, worum es geht. Mir hat das zumindest weiterhin nicht die Lust genommen, das Rätsel selbst herauszufinden. Nachdem ich den Film dann aber gesehen habe, war mir auch komplett bewusst, warum sich das Marketing so schwer damit gemacht hat, den Inhalt verständlich zu vermarkten, denn abseits des Mysterium steckt hier kaum etwas Brauchbares drin.
Das größte Problem ist, dass das Drehbuch keine Ahnung hat, was es erzählen will. Statt das große Mysterium sinnvoll aufzubauen und spannend zu erzählen, ist das hier zu großen Teilen eine irre dümmliche Hetzjagd, die sich durch abenteuerlich konstruierte und unglaubwürdige Momente und Szenarien auszeichnet.
Das Drehbuch macht es sich in dem Punkt viel zu einfach, seine Geschichte voranzutreiben. Schon die ersten 15 Minuten des Films bauen Situationen auf, die die Glaubwürdigkeit direkt aus dem Fenster wirft, was im Laufe des Films nur noch schlimmer wird. Handlungsstränge werden völlig unplausibel aufgebaut und vor allem aufgelöst, Figuren agieren immer so, wie es das Drehbuch gerade möchte, was in einigen wahnwitzigen Szenarien resultiert. Dazu kommt, dass der Handlungsablauf ist bis zum letzten Drittel komplett kaputt ist, da immer wieder das Gleiche passiert und kaum etwas wirklich organisch abläuft.
Und da das Mysterium, das hier aufgebaut wird, im Film selbst eigentlich schon relativ früh klar und sogar erklärt wird, verliert es auch schnell seinen Reiz. Vor allem deshalb, weil Disclosure Day genau dort endet, wo dieses Mysterium überhaupt erst interessant geworden wäre. Nur das große Finale, also ungefähr die letzten 20 Minuten, ist zumindest halbwegs spannend und funktioniert auf emotionaler Ebene verdammt gut, auch wenn das eigentliche Ende etwas unbefriedigend ist.
Leider reißt es das Schauspiel am Ende auch nicht raus, sodass man sich wenigstens über gute Darsteller freuen könnte. Josh O'Connor und Colman Domingo bekommen hier erstaunlich wenig zu tun und können ihr eigentliches schauspielerisches Können nie wirklich zeigen. Stattdessen müssen sie unendlich gekünstelte Dialoge aufsagen, die ausschließlich der Exposition dienen. Gerade Domingos Figur muss so viel bedeutungsschwangeren Schwachsinn von sich geben, der weder tiefsinnig noch interessant ist.
Colin Firth funktioniert da schon besser, weil seine Figur wenigstens etwas zu tun bekommt. Dafür leidet sie deutlich stärker unter dem bereits genannten Problem, dass das Drehbuch ihn immer genau so handeln lässt, wie es gerade für die Handlung notwendig ist. Dadurch bleibt die Figur nie wirklich greifbar. Eva Hewson ist noch in Ordnung, wird innerhalb des Films irgendwann aber einfach vergessen wird. Wyatt Russell macht dagegen, wie schon in Night Swim, das, was er am besten kann: So tun, als wäre er ein Schauspieler.
Nur Emily Blunt spielt hier wirklich gut und ist mit Abstand die interessanteste Figur im gesamten Film. Ich bin zwar der Meinung, dass ihre Leistung allgemein deutlich zu sehr in den Himmel gelobt wird, da auch ihre Figur wahnsinnig viel Unsinn aufsagen muss und manches dadurch sehr gekünstelt wirkt, aber das reine Schauspiel von ihr ist mehr als akzeptabel. Und zu tun bekommt sie immerhin auch etwas.
Beim Look hat sich dahingegen zu den Trailern tatsächlich nichts geändert. Auch der fertige Film sieht mit seinem hässlichen grauen Color-Grading und seiner fürchterlichen Digitaloptik einfach nicht besonders ansehnlich aus. Viele Szenen wirken übermäßig steril und viel zu künstlich. Dazu kommen eine oft unnatürliche wirkende Lichtsetzung und Lens Flars, die in manchen Szenen extrem präsent sind.
Auch die Computereffekte sind größtenteils erschreckend unterentwickelt, und bei manchen Sequenzen (Stichwort: Zug) geben sie auch gut und gerne mal komplett den Geist auf. Um aber auch fair zu bleiben: Es gibt auch viele Practical Effects, die wirklich gut aussehen und teilweise sehr aufwendig umgesetzt sind. Zudem finden sich immer wieder auch gelungene Digitale Effekte im Film.
Das objektiv Beste an diesem Film, und das, was ihm letztlich noch einen halben Gnadenpunkt beschert hat, ist die wirklich schöne Kamera. Kameramann Janusz Kamiński, der mit Spielberg schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet und viele seiner besten Meisterwerke wie Schindlers Liste oder Soldat James Ryan bebildert hat, liefert in Disclosure Day von allen Rückkehrern wohl die beste Arbeit ab.
Die Kamera ist angenehm ruhig, schafft es, actionreiche Szenen gut einzufangen, und Kamiński darf auch hier und da etwas herumprobieren, was zu einigen wirklich beeindruckenden Bildern führt. Dadurch werden Szenen, die inhaltlich ziemlich blöde sind, wie etwa eine Schleichsequenz hinter einem Holzzaun mit den dünnsten Balken, die man sich nur vorstellen kann, zumindest beeindruckend gefilmt.
Die Musik von John Williams ist ebenfalls sehr gelungen, auch wenn sie mir im Film erst gegen Ende wirklich aufgefallen ist.
Disclosure Day ist damit bisher die größte Enttäuschung des Jahres 2026 und hat mir nur in vereinzelten Momenten wirklich Spaß gemacht. Abgesehen davon, dass mir die Optik nie gefallen hat, konnte ich mich an der Kameraarbeit bis zum ende nicht sattsehen. Leider kann sie all die inhaltlichen Probleme nicht kompensieren, wodurch der Film letztlich doch in sich zusammenfällt.
Da die Meinungen zum Film aber sehr unterschiedlich ausgefallen sind und viel davon abhängt, wie man selbst das Mysterium aufnimmt, das Disclosure Day einem auftischt, würde ich dennoch empfehlen, sich ein eigenes Bild zu machen.
Für mich hat es leider nicht funktioniert. Das lag zwar nicht ausschließlich, aber zu einem großen Teil an meiner viel zu hohen Erwartungshaltung. Trotzdem reicht die großartige Kameraarbeit gerade noch aus, um den Film für mich von einer 4,5/10 auf eine 5/10 zu heben. Immerhin etwas.
Punkte (5/10)
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