Backrooms

Veröffentlicht am 13. Oktober 2026 um 17:10

Backrooms gehörte definitiv zu den Handvoll diesjährigen Releases, bei denen man im Vorfeld nicht so recht sagen konnte, was einen erwarten würde. Ich gehörte tatsächlich eher zur skeptischeren Front, da ich mir nur schwer vorstellen konnte, wie man das Konzept der Liminal Spaces sinnvoll auf ein filmisches Format übertragen will. Zum anderen hatte ich noch Sonys filmische Bankrott-Erklärung namens Slender Man im Kopf, die ohne große Mühen gezeigt hat, wie man einen viralen Internethit nicht auf die Leinwand bringt. 

Anders als bei Slender Man hat das produzierende Studio A24 bei Backrooms aber den richtigen Weg gewählt und dem Schöpfer des Mythos höchstpersönlich die Regie überlassen. Mit Renate Reinsve und Chiwetel Ejiofor sind außerdem hochkarätige Schauspieler mit an Bord. Also ja, man konnte durchaus gespannt sein, was sie aus der Nummer letztendlich rausholen würden, zumal die Trailer ebenfalls wertig aussahen und Lust auf mehr gemacht haben. 

Womit ich aber nicht gerechnet habe, ist, dass Backrooms nicht einfach nur gut, sondern einer der besten Horrorfilme des Jahres werden sollte. (Eine solche Überraschung war nach dem Disclosure Day-Desaster aber auch bitter nötig. 🥲) 

 

 

Worum geht´s? 

Als Clark in seinem Möbelgeschäft einen rätselhaften Durchgang entdeckt, stoßen er und seine Therapeutin Mary auf einen verborgenen und unnatürlichen Ort aus endlosen Räumen und Gängen. Während sie versuchen, die Geheimnisse dieses Ortes zu entschlüsseln, geraten sie immer tiefer in ein Labyrinth, das ihre Wahrnehmung der Realität auf die Probe stellt.

 

 

Um nochmal alle abzuholen: 

Backrooms ist ursprünglich eine kleine Internet-Video-Reihe, die sich mit dem Phänomen der Liminal Spaces auseinandersetzt. In diesem Fall sind das unendlich wirkende Gänge und Räume mit immer derselben gelben Tapete. Ein Ausweg daraus scheint nahezu unmöglich und die verschiedenen Kreaturen, die dort ihr Unwesen treiben, machen das Entkommen nicht gerade einfacher.

Dieses Konzept hat viel viralen Wirbel ausgelöst und wurde anschließend vor allem in unzähligen Videospielen verarbeitet, die aus Backrooms letztendlich das gemacht haben, was ich heute mit diesem Begriff verbinde. Nun hat sich A24, die ja bekannt für eher experimentellen Horror sind, die Rechte an der Filmumsetzung gesichert und den gerade einmal 21 Jahre alten Kane Parsons, den Schöpfer der ursprünglichen Video-Reihe, auf den Regiestuhl gesetzt.

 

Herausgekommen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein filmisches Experiment, das mich auf ganzer Linie beeindruckt hat. Ich bin mehr als erstaunt, dass sie dieses Konzept so gut auf die Leinwand bringen konnten, ohne die interessanten Aspekte bis ins kleinste Detail auszuerzählen.

Dabei ist Backrooms kein Horrorfilm im klassischen Sinne, bei dem sich Jumpscares übereinander stapeln und die Musik irgendwann so laut wird, bis einem die Ohren abfallen, sondern verlässt sich vielmehr auf seine Atmosphäre und die Angst vor dem Unbekannten. Das bedeutet zwar, dass das hier eher ein Horrorfilm der langsamen Gangart ist, der nur wenige echte Schockmomente besitzt, bei mir aber durchgehend eine beklemmende, unangenehme und surreale Stimmung erzeugt hat, die sich im Finale dann vollständig entlädt.

Dass diese Atmosphäre so gut funktioniert, liegt vor allem daran, wie hervorragend der Film inszeniert ist und wie unglaublich stark das Art-Design ausgefallen ist. Die Kamera ist ruhig, nachvollziehbar und funktioniert über den Großteil des Films wunderbar. Sie schafft es, die schiere Größe der Backrooms mit all ihren Fassetten einzufangen, gleichzeitig ist die beklemmende Enge jederzeit spürbar.

Dazu sieht der Film dank der Verwendung eines gigantischen echten Sets und vieler praktischer Effekte unverschämt gut aus. Das Set-Design ist meiner Meinung nach das Beste am gesamten Film. So viel Liebe und Aufwand sind in die Gestaltung der Backrooms geflossen, dass sie zu jeder Sekunde faszinierend wirken. CGI wurde nur dann verwendet, wenn es wirklich nicht anders ging, was dem Film trotz seines surrealen Grundkonzepts eine gewisse Greifbarkeit verleiht.

 

Die Geschichte dient dabei zunächst vor allem als Aufhänger, um den Zuschauer durch die Backrooms zu führen. Im weiteren Verlauf wird sie jedoch deutlich komplexer und offener, als es eigentlich nötig gewesen wäre, und entwickelt einen enorm großen Interpretationsspielraum, der stellenweise fast schon David-Lynch-artige Ausmaße annimmt. Ich war davon trotzdem irgendwie fasziniert, da ich eine solche Komplexität in einem Backrooms-Film überhaupt nicht erwartet hätte und es den surrealen Grundton zusätzlich unterstreicht. Gleichzeitig erschwert genau das aber auch den Zugang zum Film. Wenn man generell ein Problem damit hat, wenn Filme einem am Ende nur wenig bis gar nichts erklären, dürfte man je nachdem, wie gut die Atmosphäre für einen funktioniert, durchaus Schwierigkeiten mit Backrooms haben. Tatsächlich ging es mir direkt nach dem Kinobesuch ähnlich.

Unsere beiden Hauptdarsteller Renate Reinsve und Chiwetel Ejiofor sind ebenfalls ziemlich gut und schaffen es beide, durch ihre Mimik viel von der Stimmung aufzufangen. Gerade Reinsve gelingt es mit ihren Blicken mehr zu sagen, als tausend Worte es jemals könnten. Eine große Schauspielshow sollte man hier allerdings nicht erwarten, was aber auch nie das Ziel des Films ist. Die Nebendarsteller funktionieren innerhalb des Films ebenfalls ordentlich, auch wenn keiner von ihnen besonders viel zu tun bekommt.

 

Das Einzige, was mich dann doch etwas gestört hat, als es sonst der Fall ist bei mir, ist die doch überwiegend häufige Verwendung von Found-Footage-Elementen. Das wirkt stellenweise etwas zu aufgesetzt und soll vermutlich die Brücke zur ursprünglichen Video-Reihe schlagen. Innerhalb des Films ergibt es zwar grundsätzlich Sinn, reißt aber gelegentlich etwas aus dem Geschehen heraus, vor allem wenn die Videoqualität ständig wechseln und dadurch unnötig Aufmerksamkeit aus sich zieht.

Auch gibt es durchaus ein paar Handlungsentwicklungen und Momente (Stichwort: Stromkasten), die doch ziemlich billig und konstruiert wirken, diese bleiben zum Glück aber eher die Ausnahme.

 

 

Ansonsten hatte ich allein durch die fantastische Atmosphäre und die simple, aber unglaublich wirkungsvolle Bildgewalt eine Menge Spaß mit Backrooms. Das ist sicherlich kein Horrorfilm, der neue Akzente setzt, und auch keiner, der große Preise gewinnen wird. Bezogen auf das Konzept der Liminal Spaces wurde hier jedoch erstaunlich viel herausgeholt und als experimenteller Horror funktioniert der Film deutlich besser, als ich jemals erwartet hätte.

Auch wenn er es dem Zuschauer nicht immer leicht macht, lohnt sich ein Blick definitiv. Der bereits angekündigte zweite Teil darf geschichtlich allerdings gerne etwas zugänglicher ausfallen.

Punkte (8,5/10) 


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