The Furious

Veröffentlicht am 26. Oktober 2026 um 11:35

Wirklich gutes und wuchtiges Action-Kino ist mittlerweile ziemlich rar geworden.

Hollywood produziert im Actionsegment fast ausnahmslos nur noch Superheldenspektakel, blödsinnige CGI-Clownsparaden aus der Fast and Furious-Fabrik oder den millionsten Agententhriller mit völlig zerschnittener Action. Natürlich sind Ausnahmen wie John Wick und einige seiner gelungenen Nachahmer positiv zu erwähnen, und ganz selten verirrt sich mit Mad Max: Fury Road auch ein Actionfilm in die Runde, der zeigt, wie man spektakuläre Action richtig inszeniert. Die glorreichen Zeiten des Hollywood-Actionkinos, die insbesondere die 80er-Jahre geprägt haben, sind jedoch längst vorbei.  

Zum Glück ist man als Filmfan nicht ausschließlich auf Hollywood angewiesen und wechselt gerade im Actiongenre ohnehin lieber auf den asiatischen Kontinent. Dort entstehen häufig Filme, die eindrucksvoll beweisen, was in diesem Genre alles möglich ist. Ob historisch angehauchte Martial-Arts-Filme wie Tiger & Dragon, bildgewaltige Meisterwerke wie Hero oder moderneren Schlachtplatten wie The Night Comes for Us sowie natürlich The Raid 1 und The Raid 2: Das asiatische Kino hat das Actiongenre in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt und vielen modernen Hollywoodproduktionen gezeigt, wo der Hammer hängt.  

Gerade The Raid 2 hat das Genre für mich so sehr neu definiert und verändert, dass bis heute kein anderer Film auch nur annähernd an dessen Klasse herangekommen ist, und dabei ist der Film mittlerweile über zehn Jahre alt. Nun kommt mit The Furious ein neuer Actionfilm aus Hongkong um die Ecke, der zumindest den Anspruch hat, in Sachen Action nochmal eine Schippe draufzulegen.

Ob ihm das gelingt und wie mir dieses Actionfest am Ende gefallen hat, kläre ich nun nach dieser viel zu langen Einleitung! 

 

 

Worum geht´s?

Der zurückgezogen lebende Handwerker Wang Wei führt ein ruhiges Leben, bis seine Tochter plötzlich entführt wird. Als die Behörden ihm nicht helfen können, macht er sich selbst auf die Suche und gerät dabei in die Welt eines mächtigen Menschenhändlerrings. Gemeinsam mit dem Journalisten Navin, der nach seiner verschwundenen Frau sucht, folgt er einer Spur, die tief in die kriminelle Unterwelt einer südostasiatischen Metropole führt. Auf ihrem Weg treffen sie auf gefährliche Gegner und entdecken, dass ihre Vergangenheit sie auf die bevorstehende Konfrontation vorbereitet hat.

 

 

Damit meine Punkte später bei The Furious klarer und verständlicher sind, möchte ich noch kurz erläutern, was für mich das asiatische Actionkino ausmacht, anhand des grandiosen The Raid 2:

Was asiatische Martial-Arts-Filme von den meisten Hollywood-Actionfilme unterscheidet, sind zum einen aufwendige Szenen und Choreografien, eine große Portion Kreativität in ihren Kampfsequenzen und eine saubere und fast schnittfreie Inszenierung. Egal ob bei Schussgefechte oder Faustkämpfen: Alles ist nachvollziehbar, übersichtlich und gleichzeitig möglichst wuchtig für den Zuschauer.

Damit das funktioniert, greifen viele Produktionen auf echte Kampfsportler zurück. Dadurch können die Kameras länger auf den Darstellern verweilen, ohne das man mit hektischen Schnitten kaschieren muss, dass der Schauspieler eigentlich gar nicht kämpfen kann. Als Negativbeispiel genügt ein Blick auf Taken 3, der gefühlt permanent versucht zu verstecken, dass Liam Neeson kein ausgebildeter Kampfsportler ist. Und wenn im besten Fall die Darsteller zusätzlich viele ihrer Stunts selbst ausführen, entstehen noch einmal größere kreative Freiheiten.

Genau diese Elemente hat der indonesische The Raid 2 nahezu perfektioniert. Der Film erschuf mit seinen immens aufwendigen Sets, seinen unglaublichen Choreografien und den körperlichen Höchstleistungen der Darsteller ein Actionfeuerwerk, das bis heute seinesgleichen sucht. Selbst haarsträubenden Actionszenen in fahrenden Autos bleiben durch die ruhige Kamera und den sparsam eingesetzten Schnitte jederzeit nachvollziehbar. Ich meine... Die Macher haben einen Mann als Autositz verkleiden lassen, nur um einen Faustkampf im inneren eines Autos filmen zu können. Also wenn das nicht PEAK CINEMA ist, weiß ich auch nicht mehr!! 

 

Nun kommt eben The Furious daher und tritt in die Fußstapfen, die The Raid einst gelegt hat. Und ich sage Folgendes gleich vorneweg: 

Nein, The Furious stößt den König nicht vom Thron. Für mich bleibt The Raid 2 die unangefochtene Nummer eins. Aber actiontechnisch kommt kaum ein aktueller Film näher an die Klasse von The Raid heran als dieser hier, und das ist bereits ein gewaltiges Kompliment.

 

Was hier an Action aufgefahren wird, ist schlicht beeindruckend. Zwar hat die Action einen Schwachpunkt, auf den ich gleich noch eingehe, doch die Faustkämpfe gehören zum Besten, was man aktuell im Genre finden kann.

Absolut gestörte Choreografien und kreative Ideen, bei denen selbst Fahrräder als Waffe zweckentfremdet werden, treffen auf eine saubere, jederzeit nachvollziehbare und erstklassige Inszenierung. Jeder Schlag, jeder Tritt und jede sonstige schmerzenverursachende Bewegung besitzen Gewicht und Wucht. Man sieht sie nicht nur, sonst spürt sie förmlich. 

Hauptdarsteller Xie Miao, Joe Taslim sowie viele der Nebendarsteller machen hier Dinge, bei denen ich mich wirklich gefragt habe, wie ihre Körper das alles überhaupt aushalten. Viele Darsteller, darunter Xie Miao und Joe Taslim, verfügen über einen Kampfsporthintergrund, was man den Kämpfen jederzeit anmerkt. Dadurch kann der Film seine Action direkt und unverfälscht inszenieren, was die Wucht vieler Szenen noch einmal deutlich in die Höhe treibt.  

Gleich die erste längere Actionpassage, bei der ein kleiner Liefertransporter zum Kampfgebiet erklärt wird, ist derart grandios und kreativ, dass sie ohne Probleme eindrucksvoll vieles zerlegt, was Hollywood aktuell im Actionbereich zu bieten hat. 

 

Wie gesagt, hat die Action von The Furious aber ein großes Problem, und das ist die fehlende Abwechslung bei der Art der Kämpfe. Damit meine ich nicht den Ideenreichtum der Kämpfe, sondern dass es außer fantastischen Faustgefechten leider nicht viel mehr Variation gibt. Schussgefechte fehlen nahezu komplett, und selbst Messer, Äxte oder sonstiges Stichwerkzeug machen gerade in der zweiten Hälfte keinen nennenswerten Unterschied. Da kam bei mir im Finale dann doch eine gewisse Müdigkeit auf, zumal der finale Kampf auch einfach nicht enden möchte.

Ein weiterer Punkt ist tatsächlich auch die Gewalt. Klingt jetzt wahrscheinlich ein bisschen seltsam, wenn man sich bei einem Film, bei dem es primär darum geht, Leuten dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig in die nächste Notaufnahme boxen, über die Gewalt beschwert. Mir geht es prinzipiell nicht grundsätzlich um die Gewalt, sondern eher darum, dass er in seiner zweiten Hälfte die Gewaltschraube unnötig anzieht. Gerade eine Szenen mit unserem Antagonisten, die völlig aus dem Nichts kommt, erinnert dann doch eher an einen Splatterfilm als an einen lässigen Martial-Arts-Film.

 

Neben der Action gibt es allerdings nicht wirklich viel mehr zu berichten, das eine besondere Erwähnung wert wäre. Die Handlung ist simple gestrickt und dient lediglich als Aufhänger, um die nächsten Actionsequenz einzuleiten. Für diese Art Film reicht das aber völlig aus. Eine zu ausufernde Geschichte würde den Spaß an der Klopperei erheblich schmälern. 

Auch das allgemeine Schauspiel ist nicht unbedingt der Rede wert. Viele Darsteller verkörpern mal mehr, mal weniger überzeugende klassische Stereotypen, die genretypisch funktionieren. Wirklich erwähnenswert sind in diesem Fall nur Joe Taslim, der neben seiner Kampfkunst auch mit einigen wirklich gut funktionierenden Charaktermomenten glänzen kann, und ganz besonders Brian Le, der hier einen vergnügten Antagonisten verkörpert und in manchen Szenen so richtig schön aufdrehen darf.

Und auch abseits der Action ist der Film wirklich ordentlich inszeniert. Die Kamera schafft es selbst in den wenigen ruhigen Momenten, diese entsprechend einzufangen. Der Look ist angenehm dreckig und passt perfekt zum rohen Grundton des Films, und selbst die eher mäßigen Computereffekte stören in keinster Weiße das Seherlebnis. Zumal sie nur sehr spärlich zum Einsatz kommen.

 

 

Aber hier geht es hauptsächlich um puren Actionspaß, und den bekommt man bei The Furious so sauber inszeniert, so brachial choreografiert, so wuchtig und kreativ gestaltet wie schon lange nicht mehr. 

Mag sein, dass die Handlung nichts Besonderes ist, und vielleicht sind die Kämpfe an einigen Stellen sogar etwas überchoreografiert, aber das mildert den Spaß nicht im Geringsten.

Wenn man also, so wie ich, ein riesiger Fan des Actiongenres ist, darf sich diesen Film nicht entgehen lassen. 

Punkte (8,5/10)


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