Thor: Love and Thunder

Veröffentlicht am 29. Oktober 2026 um 10:17

Und die Abwärtsspirale geht weiter!

Thor: Love and Thunder gilt unter vielen Fans als einer der miesesten Beiträge, die das Marvel Cinematic Universe je hervorgebracht hat, und ich schließe mich hiermit offiziell genau dieser Gruppe an. 

Der vierte Teil des Donnergottes ist Marvel-Slop, wie er im Buche steht, und mittlerweile auch mein persönlicher Tiefpunkt dieses Franchises, welchen er sich mehr als verdient hat. Als hätte ich es in meiner Doctor Strange 2-Kritik heraufbeschworen!

 

 

Worum geht´s?

Nach den Ereignissen von Avengers: Endgame hat sich Thor auf die Suche nach innerem Frieden begeben. Doch als ein gefährlicher Gegner die Götter des Universums bedroht, wird seine Ruhe jäh unterbrochen. Gemeinsam mit alten und neuen Verbündeten muss er sich einer Reise voller Gefahren stellen, um die Galaxie vor einer düsteren Bedrohung zu beschützen.

 

 

Natürlich sind viele Probleme, die Marvel mittlerweile ständig hat, hier auch wieder mit an Bord. Namentlich sind das die Handlung, die Figuren, die Effekte und der Humor. Das ist nichts Neues bei Marvel, und ehrlich gesagt habe ich das auch erwartet. Was ich stattdessen nicht erwartet habe, ist, wie schlimm diese Probleme wirklich sind und vor allem, wie sehr sie dem Film schaden. Und dieses Mal lässt sich meiner Meinung nach auch ganz genau eingrenzen, wo der Ursprung liegt: Bei Drehbuchautor und Regisseur Taika Waititi. 

Waititi hat auch schon Thor: Ragnarok inszeniert, welcher bei Fans deutlich besser ankam als seine beiden Vorgänger, mir aber gerade in der Zweitsichtung deutlich weniger. Thor wirkte dort schon von Film zu Film viel zu inkonsistent in seiner Figurenentwicklung und Waititis krankhafte Verwendung von Humor ging mir hier schon gewaltig auf die Nerven. Gerade diese beiden Aspekte, kombiniert mit einer weitgehend unspektakulären Nicht-Handlung, hat er in diesem Film nun noch schlimmer umgesetzt. 

 

Die Handlung ist dabei sogar eher noch das kleinere Übel, auch wenn sie die meiste Zeit schwer damit zu kämpfen hat, überhaupt eine zu sein. Statt eines kohärenten und in sich schlüssigen Ablaufs läuft alles wieder nach dem Zufallsprinzip ab. Viele Handlungsstränge passieren einfach, ganzen Passagen in der Mitte fehlt es an echter Notwendigkeit und die Bedrohung rund um Gorr the God Butcher ist ein schlechter Witz und kommt innerhalb des Films kaum zum Tragen.

Charakterbezogene Geschichten, gerade alles, was mit Jane Foster passiert, sind teilweise billigst geschrieben und wirken aufgesetzt. Vor allem ihre Rückkehr und ihre Verbindung mit Mjölnir, wird sehr oberflächlich behandelt. Der Film erwartet hier einfach, dass man diese Entwicklung akzeptiert, ohne aber Mühen aufzubringen sie überzeugend zu begründen. 

Was der Handlung aber vollends das Genick bricht, ist die nicht enden wollende Albernheit, die die Ernsthaftigkeit der Geschichte so sehr untergräbt, wie ich es im MCU noch nie erlebt habe. Nach gefühlt jedem Satz kommt ein Joke oder ein deplatzierter One-Liner, Figuren nehmen nichts wirklich ernst und teilweise sind ganze Sequenzen um einen einzigen Witz geschrieben. Bei fast allem davon habe ich mir wirklich schwergetan, überhaupt irgendetwas davon lustig zu finden. Aber selbst das ist nicht einmal das größte Problem am Humor. Auch mal völlig unabhängig von der Humorfrage wirken viel zu viele Szenen so albern und kindisch, dass man sich wirklich fragen darf, ob das nicht schon eine Satire auf Comicverfilmungen ist.

Für mich waren diese ganzen Jokes und Witzeleinen schon vor der Hälfte des Films kaum noch zu ertragen und spätestens als dann auch noch Russell Crowe als Zeus auftauchte, wurde das Ganze für mich zu einer einzigen Tortur. Das Schlimmste am Humor ist aber, dass Taika Waititi komplett darauf pfeift, was er damit seinen Figuren antut. Und damit haben wir die perfekt Überleitung zu meinem zweitgrößten Problem: Den Figuren.

 

Bevor wir zu den größten Frechheiten kommen, möchte ich die Nebenfiguren abhaken, zu denen ich nicht all zu viel zu sagen habe.

Korg ist im Vergleich zu Thor: Ragnarok wirklich unausstehlich unwitzig und hat mich jedes mal zur Weißglut getrieben, sobald er angefangen hat zu sprechen. Schon bezeichnend das ausgerechnet Korg auch noch von Waititi selbst gespielt wird. Zeus ist ebenfalls eine sehr unlustige und nervige Figur, die aber eigentlich keine nennenswerte Relevanz für den Film hat. Wie aber Russell Crowe in diese Rolle zu sehen, hat dann doch etwas wehgetan und ich frage mich wirklich, wie sie ihn dazu bekommen haben. Der einzige echte Lichtblick unter den Figuren ist Tessa Thompson als Valkyrie, die ihrer Figur weiterhin das gewisse Etwas verleihen kann und auch nicht darunter leidet, dass ihre Figur sich plötzlich völlig anders verhält, als in diverse Vorgängerfilmen. Ach so, und die Guardians kann man hier komplett zu vernachlässigen, auch wenn die Trailer noch etwas anderes suggeriert haben. 

Was sie aber mit Thor gemacht haben ist das Paradebeispiel einer Character Assassination. Der Kollege ist hier kaum noch wiederzuerkennen und Chris Hemsworth spielt das Ganze weitestgehend komplett auf Autopilot. Schon über Fat Thor aus Avengers: Endgame konnte man sich wundern, da litt die Idee meiner Meinung nach aber eher an schlechter Ausführung. Hier bei Thor: Love and Thunder ist die Figur nur noch ein wandelnder Witz und aus meiner Sicht auch ein unglaublich unerträglich eifersüchtiger Zeitgenosse. Er wird über weite Teile des Films wie ein Dully inszeniert, der nichts ernst nimmt. Außer natürlich, wenn es das Drehbuch plötzlich möchte, dann wird er wieder der ernste Krieger. Dieser Wechsel passiert so inkonsequent und widersprüchlich, dass ich ständig von seinem Handeln aus dem Film gerissen wurde. Und man sieht ja aktuell schon an der ganzen Promo zu Avengers: Doomsday, wie sehr sie bei Thor inzwischen wieder den Rückwärtsgang einlegen, um den ursprünglichen Shakespeare-haften Anstrich der Figur zurückzuholen.

(Kleine Anmerkung am Rande: Vor ein paar Tagen habe ich eine News gelesen, lau dem Chris Hemsworth für Avengers: Doomsday nur zurückgekehrt sein soll, wenn genau dieser Shakespeare-haften Anstrich wieder stärker in den Vordergrund rückt. Falls an dieser News etwas dran sein sollte, nehme ich Hemsworth diese Aussage ehrlich gesagt nicht ab. Immerhin war er bei Thor: Love and Thunder selbst als Executive Producer beteiligt.)

Wer mich aber noch mehr herausgerissen hat, ist Natalie Portman als Jane Foster. Nicht nur, weil der Character Arc, den man ihr aufgebrummt hat, meiner Meinung nach ziemlicher Blödsinn ist, sondern auch, weil sie hier wirklich grottig spielt. Und das schmerzt fast noch mehr. Natalie Portman ist alles andere als eine schlechte Schauspielerin und selbst im ersten Thor hat sie eigentlich noch gut funktioniert. Portman ist aber auch eine Darstellerin, bei der man gelegentlich das Gefühl hat, dass ihre Leistung davon abhängt, wie sehr sie Lust auf eine Rolle hat. Und anscheinend hatte sie hier so gar keine Lust. Sie wirkt stellenweise wie eine Amateurin, überspielt nahezu jede Gefühlslage und gerade ihr Gestik und Mimik sind wirklich mies. Zusammen mit Hemsworth besitzt sie außerdem keinerlei Chemie, wobei das nicht komplett ihr anzulasten ist.

Und zu guter Letzt noch Christan Bale als Gorr the God Butcher.

Ganz allgemein ist seine Figur leider kaum der Rede wert. Da die Figur größtenteils gar nicht wirklich stattfinden darf und vor allem in der Mitte des Films nur hier und da eingestreut wird, wirkt sie deutlich weniger bedrohlich, als sie eigentlich hätte sein können. Dazu kommt, dass das Motiv der Figur ziemlich schwach geschrieben ist und viele seiner Taten bleiben am Ende bloße Behauptungen.

Das eigentliche Problem bei Gorr ist, aber dass Bales grandioses Schauspiel nie benötigt wird. Bei mir kam sogar stellenweise das Gefühl auf, dass Waititi gar nicht wusste, was er mit Bale überhaupt anfangen soll. Das Lustige daran ist ja, dass Bale trotz, dass er durchgehend massiv unterfordert wirkt, allen andern mühelos die Show stielt, was die übrigen Darsteller nur noch schlechter aussehen lässt. Gegen Ende darf die Figur endlich etwas fieser und präsenter und auch Bale kann hier nochmal glänzt, doch das fehlende Futter seiner Figur lässt sich trotzdem nur schwer ignorieren.

 

Zu den technischen Aspekten, abgesehen von den Effekten natürlich 😉, kann ich gar nicht so viel sagen,  weil ich während des Schauens ehrlich gesagt kaum darauf geachtet habe. Da mir dadurch aber auch keine gravierenden Schnittfehler, fragwürdige Kameraeinstellungen oder anderweitige technische Mängel aufgefallen sind, werte ich das einfach mal als ein positiven Aspekt. Einzig die penetrante Verwendung von Musik ist wirklich störend. Ich bin generell kein großer Fan, wenn gefühlt jeder Szenenwechsel mit einem neuen Song eingeleitet werden muss. Da ist Taika Waititi aber nicht alleine. James Gunn gehört ebenfalls zu den Kandidaten, die es meiner Meinung nach regelmäßig mit Musik übertreiben müssen. 

Bei den Effekte versuche ich mich dieses Mal aber wieder kurz halten. (Hat gut geklappt! 🫠)

Wie mittlerweile zu erwarten, sehen viele Effekte wieder einmal ziemlich schlecht aus. Die Gründe dürften dabei wieder von produktionsbedingten Entscheidungen über kurzfristige Reshoots kurz vor Kinostart bis hin zu ohnehin schon reichlich überforderte VFX-Künstler reichen. Dazu kommt der ein unmöglicher Koordinationsaufwand, der entsteht, wenn die Arbeit zahlreicher Effektstudios unter einen Hut gebracht werden muss.

Und als sich Taikia Waititi später sogar in einem Intervies hingesetzte und öffentlich über die Effekte seines eigenen Films lustig gemacht hat, beweist das für mich, dass er wohl nur wenig Verständnis für Effektarbeit hat. 

Viele Effekte wirken erneut unendlich künstlich und die Kluft zwischen digital eigefügten Elementen und realen Aspekten ist gigantisch. Zusätzlich werden in vielen Stellen extreme Filter als bewusstes Stilmittel verwendet, die ich persönlich alle atemberaubend hässlich fand. Bestes Beispiel dafür ist der Schwarz-Weiß-Planet im Film. mag sein, dass das eher eine Geschmacksfrage ist, aber für mich war es unfassbar unästhetisch.

Was hier ebenfalls zum Einsatz kommt und zwar zum ersten Mal im MCU, ist die sogenannte StageCraft-Technologie. Dabei handelt es sich um riesige LED-Wände, auch Volumes genannt, die im Gegensatz zu Green- oder Bluescreens die tatsächliche Umgebung bereits direkt am Set anzeigen. Das soll zum einen verdeutlichen, wie die fertige Szenen später aussehen wird, und zum anderen auch den VFX-Künstler helfen, nicht jede einzelne Umgebung vollständig neu erstellen zu müssen. Klingt eigentlich nach einer Win-win-Situation für alle Beteiligten, oder?

Leider hat StageCraft einen großen Nachteil. Wird die Technologie nicht sauber eingesetzt oder richtig eingesetzt, können Hintergründe schnell extrem unscharf werden. Häufig entsteht dann eine sehr auffällige Trennung zwischen Figuren und Umgebung, während Beleuchtung und Tiefenwirkung nicht mehr wirklich zusammenpassen und ein komischer 2D-Look dadurch entsteht. Zusätzlich können an den Rändern von Figuren, vor allem bei Haaren, störende unscharfe Artefakte entstehen, die den Eindruck verstärken, dass die Darsteller einfach nachträglich in die Szenerie eingefügt wurden. 

Und dreimal dürft ihr raten, wie die StageCraft-Technologie in Thor: Love and Thunder wohl aussieht!

 

 

Leider bleibt am Ende nicht viel Positives übrig. Klar, es gibt hier und da nette Aspekte, ein paar amüsante Cameos und wenn es hochkommt, schmunzelt man vielleicht bei jedem zwölften Joke mal kurz. Aber abgesehen vom halbwegs gelungen Ende ist Thor: Love and Thunder für mich wirklich das größte Fiasko des gesamten MCU. 

Ich würde ja jetzt gerne noch eine Empfehlung für eingefleischten Marvel-Fans aussprechen, aber selbst viele aus dieser Gruppe können hiermit nichts anfangen.

Daher würde ich sagen: Wer sich von meiner Kritik nicht hat abschrecken lassen, darf natürlich gerne selbst ein Blick riskieren und sich am besten eine eigene Meinung bilden. 🙂 

Um aber auch ehrlich zu sein: Empfehlen würde ich es definitiv nicht! 

Punkte (3/10) 


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